{"id":113,"date":"2010-11-24T09:34:06","date_gmt":"2010-11-24T08:34:06","guid":{"rendered":"http:\/\/omnia-instaurare-in-christo.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=113"},"modified":"2010-11-24T09:34:06","modified_gmt":"2010-11-24T08:34:06","slug":"im-loyalitatskonflikt-zwischen-rom-und-ortskirche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/?p=113","title":{"rendered":"Im Loyalit\u00e4tskonflikt zwischen Rom und Ortskirche"},"content":{"rendered":"<h1>Ratlose Priester &#8211; Im Loyalit\u00e4tskonflikt zwischen Rom und Ortskirche<\/h1>\n<h6>Interview mit der Kirchlichen Umschau &#8211; November 2010 <\/h6>\n<p><em>Pfarrer Hendrick Jolie ist kein Barrikadenpriester, der seine Gemeinde mit immer neuem reformatorischem Eifer zu weiteren \u201eAufbr\u00fcchen\u201c treiben will. Als \u201ekonservativ \u201c kann man den 1992 geweihten Di\u00f6zesangeistlichen (46) des Bistums Mainz aber auch nicht bezeichnen, denn am Erhalt des status quo der real existierenden Pastoral ist er nicht interessiert. Er geh\u00f6rt zur nachwachsenden Generation, die weder vom \u201eSuperkonzil\u201c gepr\u00e4gt ist, noch von vorkonziliaren \u201eErinnerungen\u201c. Er will Priester sein, so wie die Kirche Priester will. Non plus, non minus, non aliter (nicht mehr, nicht weniger, nicht anders).<\/p>\n<p>Diese zunehmende Neuorientierung unter den jungen Klerikern ist ein Ph\u00e4nomen, das den \u201eKrawatten-Priester-Mainstream\u201c und die \u201eandere Hierarchie\u201c unruhig macht. Der \u201eGeneration Benedikt\u201c unter den Priestern geht es n\u00e4mlich nicht um eine vordergr\u00fcndige Kosmetik der Kirchenkrise: Vielmehr erkennt sie ein Problem, auf das der Herr selbst bereits hingewiesen hat: \u201eWenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie nicht bestehen.\u201c (Markus 3,24f)<\/p>\n<p>Immer mehr junge Priester leiden unter dem \u201edoppelten\u201c Gehorsam, der eingefordert wird, aber an sich widerspr\u00fcchlich ist: Auf der einen Seite Rom, auf der anderen Seite eine sich anbahnende Nationalkirche antir\u00f6mischer Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt dieser Leidensdruck f\u00fchrte 2001 zur Gr\u00fcndung des \u201eNetzwerks katholischer Priester\u201c \u2013 eine Gesinnungsgemeinschaft von Klerikern, die ihr Priesteramt getreu ihrem Weiheversprechen aus\u00fcben wollen. Da\u00df eine Art Selbsthilfegruppe lehramtstreuer Priester in Deutschland \u00fcberhaupt n\u00f6tig wurde und sich wachsenden Zulaufs erfreut, zeigt, wie viele Priester mittlerweile \u201ezwischen den St\u00fchlen\u201c sitzen, was die Gehorsamsforderung (hier der Papst, dort der Ortsordinarius) anbelangt.<\/p>\n<p>Pfarrer Jolie hat mit siebzehn Mitbr\u00fcdern des Priesternetzwerks einen Brief nach Rom geschrieben, um in einer wichtigen Frage Auskunft zu erhalten, wem der Gehorsam in der Kirche geschuldet ist.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Hochw\u00fcrden, haben Sie ein Autorit\u00e4tsproblem?<\/p>\n<p><strong><br \/>\nPfarrer Hendrick Jolie: <\/strong>Das sollten Sie lieber einmal die deutschen Bisch\u00f6fe fragen (lacht). Im Ernst: Die Aus\u00fcbung der Autorit\u00e4t ist in unserer Kirche vernunftgem\u00e4\u00df begr\u00fcndet und sakramental verankert. Als ich im Alter von 20 Jahren \u2013 und nach einer Zeit relativer Z\u00fcgellosigkeit \u2013 die Sch\u00f6nheit der Kirche neu entdeckte, erschien mir diese katholische Form der Autorit\u00e4tsaus\u00fcbung als der gr\u00f6\u00dfte Schatz. Ich stie\u00df auf ein Wort der Heiligen Theresa von Avila, dass es keinen Weg gibt, der so schnell zur h\u00f6chsten Vollkommenheit f\u00fchrt wie der des Gehorsams (Klosterstiftungen 5,11). Aufgrund meiner eigenen Erfahrung wei\u00df ich deshalb: Es geht um viel, wenn innerhalb der Kirche der Gehorsam auf dem Spiel steht. Oftmals geht es aber heute eben nicht nur um sogenannte \u201eMeinungsverschiedenheiten.\u201c Vielmehr ist der Glaube in Gefahr.<\/p>\n<p>Wir, die im Netzwerk katholischer Priester verbundenen Geistlichen, beobachten seit Jahren mit gro\u00dfer Besorgnis das Auseinanderdriften von Orts- und Universalkirche. Niemand t\u00e4usche sich: Wo in Presseerkl\u00e4rungen der Bischofskonferenz euphemistisch von \u201eSpannungen\u201c oder \u201eunterschiedlichen Auffassungen\u201c gesprochen wird, wo einzelne Bisch\u00f6fe ank\u00fcndigen, man wolle hinsichtlich p\u00e4pstlicher Weisungen \u201eSpielr\u00e4ume ausloten\u201c oder \u201eim Gespr\u00e4ch mit Rom bleiben\u201c, da geht es oftmals ums Ganze: Es geht um die Frage, wer in Glaubens- oder Moralfragen das letzte Wort hat.<\/p>\n<p>Man braucht au\u00dferdem kein \u201ePiusbruder\u201c zu sein, um festzustellen, dass das ausufernde Kollegialit\u00e4tsprinzip des bisch\u00f6flichen Amtes und der damit zusammenh\u00e4ngende Einfluss der Bischofskonferenzen zu Problemen gef\u00fchrt haben, die selbst der Papst kaum noch in den Griff bekommt, ganz zu schweigen von den nicht mehr l\u00f6sbaren Problemen \u201ean der Basis\u201c:<\/p>\n<p>A propos Basis: Die Uneinigkeit und der Ungehorsam in zentralen Fragen haben dazu gef\u00fchrt, da\u00df der Gro\u00dfteil der Katholiken sich von ihrem Pfarrer nichts mehr sagen l\u00e4sst. Beliebte Formulierung ist dabei: \u201eSie sehen das so, ich sehe das anders.\u201c Und hierbei geht es oft nicht um Kleinigkeiten, sondern um den Glauben der Kirche. Bedauerlicherweise k\u00f6nnen sie sich dann oft noch auf einen Nachbarpfarrer oder gar einen Bischof berufen, der z.B. in der Frage der Zulassung zu den Sakramenten oder in der Frage, wo die wahre Kirche Christi zu finden ist, tats\u00e4chlich das Gegenteil von dem verk\u00fcndet, was ich in der Predigt gesagt habe und was traditionelle Lehre der Kirche ist. &#8211; Wo soll das aber hinf\u00fchren, wenn der Gehorsam in der Kirche zusammengebrochen ist? Wenn jedes Dogma relativiert und als nicht mehr verbindlich angesehen wird?<\/p>\n<p>Der nun schon vier Jahre dauernde Streit um eine Korrektur der falsch \u00fcbersetzten Wandlungsworte im deutschen Missale (\u201epro multis\u201c hei\u00dft eben \u201ef\u00fcr viele\u201c und nicht \u201ef\u00fcr alle\u201c) zeigt: Die Auseinandersetzung um die Autorit\u00e4t in der Kirche ist in das Herz des Glaubens vorgedrungen. Schon im Abendmahlssaal stritten bekanntlich die Apostel darum, wer von ihnen der Gr\u00f6\u00dfte sei. Damals wie heute ist das kein rein disziplinarisches Problem. Deswegen noch einmal: Wenn der Gehorsam in zentralen Fragen zur Disposition gestellt wird, steht der Glaube auf dem Spiel. Nicht zuf\u00e4llig wendet sich der Herr im Abendmahlssaal an den Heiligen Petrus mit dem Hinweis, er habe f\u00fcr ihn gebetet, damit sein Glaube nicht wanke. Petrus braucht diesen Glauben an die ihm vom Herrn \u00fcbertragene Sonderstellung. Wenn dieser Glaube wankt, dann kann Petrus auch die \u201eBr\u00fcder\u201c im Glauben nicht mehr st\u00e4rken. Im Kern gibt es also von Anfang an die Gefahr, das Petrusamt zu nivellieren und die Aufk\u00fcndigung von Gehorsam als Meinungsverschiedenheit zu bagatellisieren. Das d\u00fcrfen wir aber nicht zulassen. Hier mahnt uns das Gewissen, die Stimme zu erheben!<\/p>\n<p>Der Streit um die Wandlungsworte ist in unseren Augen ein Symptom, das auf eine Gehorsams- und Glaubenskrise in der Kirche hinweist. Zu diesen Vorg\u00e4ngen k\u00f6nnen und werden wir nicht schweigen. Wir sind weder illoyal, noch wollen wir uns wichtigmachen, auch wenn uns das nicht selten vorgeworfen wird. Es geht uns hier um eine Gewissenspflicht, und wir hoffen, da\u00df dies auch so respektiert und wahrgenommen wird.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Sie haben einen Brief an die Gottesdienstkongregation geschrieben, der ziemliches Aufsehen erregt hat. Worum geht es?<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie: <\/strong>Kardinal Arinze schrieb am <strong>17. November 2006 <\/strong>in seinem Amt als Pr\u00e4fekt der r\u00f6mischen Gottesdienstkongregation an die Bischofskonferenzen einen Brief. Sein Thema: Die \u00dcbersetzung der Worte \u201epro multis\u201c in den Wandlungsworten der hl. Messe.<\/p>\n<p>Nachdem der Text ziemlich schnell bekannt geworden war, wurde er auch in der Zeitschrift Notitiae der genannten vatikanischen Beh\u00f6rde ver\u00f6ffentlicht \u2013 auch in deutscher Sprache.<\/p>\n<p>Der genannte Brief bezog sich ausdr\u00fccklich auf die Konsultation der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, die vorausgegangen war.<\/p>\n<p>Kardinal Arinze teilte im Namen des Papstes mit, da\u00df in den nun anstehenden \u00dcbersetzungen des R\u00f6mischen Messbuchs, die durch eine dritte Auflage des Novus Ordo der lateinischen r\u00f6mischen Ausgabe n\u00f6tig geworden seien, eine andere \u00dcbersetzung der Kelchworte zur Anwendung k\u00e4me, n\u00e4mlich eine pr\u00e4zise landessprachliche \u00dcbersetzung der Formel des \u201epro multis\u201c. Die Bischofskonferenzen wurden gebeten, den Gl\u00e4ubigen \u201ein den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahren\u201c eine geeignete Katechese anzubieten, um diese \u00c4nderung vorzubereiten.<\/p>\n<p>Als Argumente f\u00fcr diese philologisch korrekte Art der \u00dcbersetzung gab er an:<\/p>\n<p>\u201ea) Die synoptischen Evangelien (Mt 26, 28; Mk 14, 24) beziehen sich spezifisch auf den Ausdruck \u201eviele\u201c (poll\u00f4n), f\u00fcr die der Herr sein Opfer darbringt. Dieser Wortgebrauch wird dar\u00fcber hinaus von einigen Bibelgelehrten in Verbindung mit den Worten des Propheten Jesaja (53, 11-12) betont. Es w\u00e4re durchaus m\u00f6glich gewesen, in den Evangelientexten den Ausdruck &#8222;f\u00fcr alle&#8220; zu w\u00e4hlen (wie z.B. Lk 12, 41); stattdessen benutzt der Einsetzungsbericht aber die Formel &#8222;f\u00fcr viele&#8220; und diese Worte sind in den meisten modernen Bibel\u00fcbersetzungen treu \u00fcbersetzt worden.<\/p>\n<p>b) Der R\u00f6mische Ritus hat immer den Ausdruck \u201epro multis\u201c und niemals den Ausdruck \u201epro omnibus\u201c bei der Wandlung des Weins in das Blut Christi benutzt.<\/p>\n<p>c) Die Anaphoren der verschiedenen Orientalischen Riten, sei es in griechischer, syrischer, armenischer oder slawischer Sprache usw., enthalten in ihren jeweiligen Sprachen das sprachliche \u00c4quivalent zu dem lateinischen Ausdruck \u201epro multis\u201c.<\/p>\n<p>d) Der Ausdruck \u201ef\u00fcr viele\u201c oder \u201ef\u00fcr die Vielen\u201c ist eine genaue \u00dcbersetzung des Ausdrucks \u201epro multis\u201c, wogegen der Ausdruck &#8222;f\u00fcr alle&#8220; eher eine Erl\u00e4uterung darstellt, die eigentlich in die Katechese geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>e) Der Ausdruck \u201ef\u00fcr viele\u201c, der offen bleibt, um jeden Menschen in das Heil einzuschlie\u00dfen, bringt deutlicher die Tatsache zum Ausdruck, da\u00df das Heil nicht automatisch geschenkt wird, quasi ohne Einbeziehung des eigenen Willens oder Anteilnahme am Heil. Der Gl\u00e4ubige ist vielmehr eingeladen, in Glauben das Geschenk anzunehmen, welches ihm von Gott angeboten wird, und das \u00fcbernat\u00fcrliche Leben zu empfangen, das demjenigen geschenkt wird, der an diesem Mysterium teilnimmt. In seinem Leben ist der Christ eingeladen, dieses Mysterium umzusetzen, um so unter die \u201evielen\u201c gerechnet zu werden, auf die der Text sich bezieht.<\/p>\n<p>f) In \u00dcbereinstimmung mit der Instruktion Liturgiam authenticam sollte sich bem\u00fcht werden, den lateinischen Text der editiones typicae genauer und pr\u00e4ziser zu \u00fcbersetzen.\u201c<\/p>\n<p>Den Brief des Kardinals kann man im Internet nachlesen \u2013 z.B. auf der Seite des Trierer liturgischen Institutes unter dem Stichwort \u201eArinze\u201c:<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Der Brief von Kardinal Arinze ist ja schon ein paar Jahre alt. Warum schreiben Sie jetzt nach Rom?<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Pressebericht der Herbstvollversammlung unmissverst\u00e4ndlich deutlich gemacht, da\u00df sie an einer Revision der Messtexte des Novus Ordo im Sinne des Papstes nicht wirklich interessiert ist. Ich darf aus dem Abschlussbericht zitieren: \u201eDabei sind wir der Auffassung, da\u00df das bisherige Deutsche Messbuch (2. Auflage) weithin den Anforderungen einer textgetreuen \u00dcbersetzung entspricht  Es besitzt eine religi\u00f6se Sprache, die sich in der liturgischen Praxis der letzten Jahrzehnte bew\u00e4hrt hat. Viele Texte sind Priestern und Gl\u00e4ubigen durch den praktischen Vollzug vertraut. Dieser hohe Wert darf durch eine grundst\u00e4ndig neue \u00dcbersetzung nicht gef\u00e4hrdet werden. Die Rezeption des k\u00fcnftigen Messbuchs darf wegen der \u00dcbersetzung einzelner Grundw\u00f6rter oder der ohne inhaltliche Notwendigkeit erfolgenden Ersetzung bisher guter deutscher Texte durch verfremdete Neufassungen nicht insgesamt gef\u00e4hrdet werden.\u201c<\/p>\n<p>Worte wie \u201edas hat sich in der liturgischen Praxis bew\u00e4hrt\u201c oder die Warnung, eine \u201everfremdete Neufassung\u201c w\u00fcrde die Rezeption in den Gemeinden gef\u00e4hrden sind eine unverhohlene Drohung in Richtung r\u00f6mische Kurie. Wir kennen diese Formulierungen aus anderen Vorg\u00e4ngen im liturgischen Bereich. Im Grunde hei\u00dft das: Die p\u00e4pstliche Korrektur wird mehr oder weniger in den Wind geschlagen mit dem Verweis auf entsprechende \u201eGewohnheiten\u201c vor Ort. Mir ist z.B. kein deutschsprachiges Bistum bekannt, in dem der Wunsch des Papstes, die Gl\u00e4ubigen m\u00f6gen auf die Neuformulierung der Wandlungsworte katechetisch vorbereitet werden, auch nur ansatzweise umgesetzt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Als im \u201eGotteslob\u201c hingegen vor einigen Jahren angeblich \u201efrauenfeindliche Formulierungen\u201c durch geschlechtsneutrale Wendungen ersetzt werden mussten \u2013 aus \u201eBr\u00fcdern\u201c wurden \u201eGeschwister\u201c, aus \u201eS\u00f6hnen\u201c wurden \u201eKinder\u201c \u2013, da liefen deutschlandweit die Druckmaschinen noch \u00fcber Nacht an: Mit \u00dcberklebebogen und einem ideologischen Eifer, der an Fanatismus erinnerte, wurden s\u00e4mtliche Gesangb\u00fccher der Republik von \u201ediskriminierenden\u201c Worten gereinigt \u2013 und niemand f\u00fcrchtete eine \u201egef\u00e4hrdete Rezeption\u201c. Man nahm ohne Federlesen in Kauf, da\u00df das gewachsene Liedgut der Gemeinden gleichsam \u00fcber Nacht mit ungewohnten \u2013 und zum Teil h\u00f6chst geschraubten \u2013 Formulierungen kontaminiert wurde. Und dies ohne jede Vorwarnung. Warum w\u00e4re es dann nicht m\u00f6glich, ein einziges Wort im Missale zu \u00fcberkleben?<\/p>\n<p>Die im Netzwerk katholischer Priester verbundenen Mitbr\u00fcder legen mit ihrem Brief den Finger an eine Wunde. Unsere Frage lautet: Wie sollen sich Priester verhalten, wenn \u2013 wie so h\u00e4ufig &#8211; universalkirchliche und partikularrechtliche Bestimmungen einander widersprechen? Hier werden nicht wenige Priester in Gewissensn\u00f6te gest\u00fcrzt: Welcher Autorit\u00e4t sollen sie Folge leisten? Rein rechtlich ist das universale Recht dem partikularen nat\u00fcrlich \u00fcbergeordnet. Auf praktischer Ebene ist es leider oftmals so, da\u00df die Berufung auf p\u00e4pstliche Weisungen dem Pfarrer vor Ort wenig n\u00fctzt.<\/p>\n<p>Eine kurze Randbemerkung: Tonangebende Kreise in meinen Gemeinden haben mir das bizarre Etikett \u201epapsttreu\u201c angeklebt. Das soll nat\u00fcrlich despektierlich wirken, ich betrachte das jedoch als Ehrentitel. Gleichzeitig frage ich mich, was dann die anderen Priester in meiner Nachbarschaft sind, wenn sie offenbar als nicht papsttreu angesehen werden?<\/p>\n<p>Ich erw\u00e4hnte bereits, da\u00df ich als \u201eNeubekehrter\u201c die kirchliche Autorit\u00e4t als den eigentlichen Schatz des Glaubens entdeckt habe. Auch heute noch erfahre ich, welchen Schutz selbst ein einfacher Pfarrer auf dem Land einzelnen Gl\u00e4ubigen gew\u00e4hrt, wenn er sie im seelsorglichen Gespr\u00e4ch mahnt, sich in den Gehorsam der Kirche zu stellen und den legitimen Autorit\u00e4ten zu folgen. Viele Menschen sind doch im Glauben total verunsichert und dementsprechend allen m\u00f6glichen Trends und Stimmungen ausgeliefert. Wie heilsam ist es dann, wenn die Gl\u00e4ubigen sich einer Autorit\u00e4t \u00fcberlassen k\u00f6nnen, die ihren Ursprung in Gott selbst hat.<\/p>\n<p>Das Problem ist nat\u00fcrlich: Ein Pfarrer kann nur Gehorsam einfordern, wenn er selbst in Glaube und Lebensf\u00fchrung der Kirche gehorsam ist. Wie soll das funktionieren, wenn es selbst in fundamentalen Fragen keine Einigkeit und \u2013 was noch schlimmer ist \u2013 keine Bereitschaft gibt, dem obersten Lehramt der Kirche zu folgen? Welches Beispiel geben uns die Bisch\u00f6fe?<\/p>\n<p>Besonders schmerzhaft ist es, wenn der Ungehorsam im Bereich der Liturgie vor aller Augen sicht- und h\u00f6rbar wird. Wie oft haben wir als Gemeindepfarrer in den letzten Jahren erleben m\u00fcssen, da\u00df die zaghaften Versuche der r\u00f6mischen Beh\u00f6rden, den liturgischen Wildwuchs der Ortskirchen einzud\u00e4mmen, auf taube Ohren gesto\u00dfen sind. Ich erspare Ihnen eine Aufz\u00e4hlung, auch Ihre Zeitschrift hat diese F\u00e4lle ja immer wieder dokumentiert. Die Frage der Wandlungsworte ist in unseren Augen jedoch so ernst, da\u00df wir nicht weiter schweigen wollten. Hier geht es doch nicht um philologische Haarspaltereien. Noch einmal: Es geht um den Glauben, und der ist in Gefahr.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Was haben Sie mit siebzehn anderen Mitbr\u00fcdern nach Rom geschrieben?<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Wir haben uns an den Pr\u00e4fekten der Gottesdienstkongregation gewandt, S. Em. Antonio Cardinal Ca\u00f1izares Llovera. Ich darf einfach zitieren:<\/p>\n<p>\u201eEminenz, seit dem Jahre 2006 liegt vom Hl. Stuhl die Aufforderung zur Revision der \u00dcbersetzung der Wandlungsworte der Hl. Messe sowie die Bitte um \u00dcberpr\u00fcfung der nationalen \u00dcbersetzung der Messtexte vor.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit sind vier Jahre vergangen, ohne da\u00df die Deutschen Bisch\u00f6fe dem Wunsch des Hl. Stuhls nachgekommen w\u00e4ren. Weder wurden umfangreiche Katechesen zur Erl\u00e4uterung der \u00c4nderung der Konsekrationsworte gehalten, noch diese \u00c4nderung selbst umgesetzt.<\/p>\n<p>Unsere Anfrage vor zwei Jahren, wie wir uns als Priester bez\u00fcglich der Umsetzung des Wunsches der Gottesdienstkongregation verhalten sollen, wurde mit dem Warten auf die Entscheidung der Bisch\u00f6fe beantwortet.<\/p>\n<p>Nun ist die Frist zur Neufassung der Konsekrationsworte einschlie\u00dflich ihrer geistlichen Vorbereitung bereits zwei Jahre abgelaufen. Die Bisch\u00f6fe lassen einzig verlautbaren, da\u00df eine Verbesserung des Deutschen Missale in seinen \u00dcbersetzungen nicht n\u00f6tig sei, weil man die bisherige Fassung f\u00fcr gut befunden und die Gl\u00e4ubige sich au\u00dferdem daran gew\u00f6hnt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>So scheint sich f\u00fcr uns ein tiefgreifender Loyalit\u00e4tskonflikt anzubahnen. Denn unsere Haltung des Gehorsams dem Willen des Hl. Stuhls zu entsprechen, eine authentische \u00dcbersetzung des \u201apro multis\u2019 in den Wandlungsworten zu verwenden, wird dadurch verhindert, da\u00df die Befolgung der Partikularnormen genau diesem Anliegen widerspricht.<\/p>\n<p>Dies l\u00f6st in uns eine gewisse Ratlosigkeit und Betroffenheit aus, und wir f\u00fchlen uns als Priester, die dem Heiligen Vater gehorsam sein wollen, allein gelassen in unserer Entscheidung zur Loyalit\u00e4t den kirchlichen Autorit\u00e4ten gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Wir bitten daher um die Beantwortung der Frage, wie wir uns in diesem inneren Konflikt verhalten sollen, in dem unser Gehorsam dem Hl. Stuhl gegen\u00fcber durch die Bindung an die \u00f6rtlichen Autorit\u00e4ten und ihre Entscheidungen verhindert wird.\u201c<\/p>\n<p><strong><br \/>\nKirchliche Umschau:<\/strong> Bischof M\u00fcller von Regensburg hat sich die Mahnung wohl zu Herzen genommen. Er pl\u00e4dierte j\u00fcngst in der Zeitung \u201eDie Tagespost\u201c f\u00fcr eine Umsetzung des p\u00e4pstlichen Willens. In seinem Buch zur hl. Messe war er noch anderer Meinung.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> F\u00fcr einen einfachen Gemeindepfarrer ist es immer heikel, das Verhalten einzelner Bisch\u00f6fe \u00f6ffentlich zu bewerten, normalerweise sehen wir im Netzwerk Katholischer Priester davon ab. Vermutlich ist der Vorsto\u00df von Bischof M\u00fcller der Versuch eines Kompromisses \u2013 ein Kompromiss, der die deutschen Bisch\u00f6fe und den Papst gleichzeitig vor Gesichtsverlust bewahren soll.<\/p>\n<p>Ohne Bischof M\u00fcller zu nahe treten zu wollen, sei jedoch die Frage erlaubt, warum erst vier Jahre vergehen mussten, bis dieser Vorschlag des \u201ef\u00fcr die Vielen\u201c auf den Tisch kam. Warum ist die von Kardinal Arinze gesetzte Frist verstrichen, ohne da\u00df sich ein einziger Oberhirte zu Wort gemeldet hat? Warum kommt dieser Vorschlag erst jetzt, nachdem der Papst schon vor vier Jahren darum gebeten hat, die R\u00fcckkehr zur korrekten \u00dcbersetzung der Wandlungsworte katechetisch vorzubereiten? Warum nun diese wortreichen Erkl\u00e4rungen, nachdem die Neufassung des deutschen Missale bereits in Rom eingereicht wurde?<\/p>\n<p>Dieses Vorgehen ist doch schlichtweg unverst\u00e4ndlich: Da reichen 26 Di\u00f6zesanhirten ein neu\u00fcbersetztes Messbuch ein (in welchem dem Vernehmen nach ja gerade nicht \u201ef\u00fcr die Vielen\u201c, sondern weiterhin \u201ef\u00fcr alle\u201c steht) und anschlie\u00dfend ver\u00f6ffentlicht einer dieser Bisch\u00f6fe eine Erkl\u00e4rung, in welcher er f\u00fcr eine andere \u00dcbersetzung der Wandlungsworte pl\u00e4diert. Hier scheint es \u2013 sehr vornehm ausgedr\u00fcckt \u2013 nicht nur ein Kommunikationsproblem innerhalb der DBK zu geben.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nKirchliche Umschau:<\/strong> Wir hatten ja schon mal das massive Problem des Ungehorsams der Bisch\u00f6fe in Deutschland. Denken wir an \u201eDonum vitae\u201c!<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Ich hoffe, Sie wollen mich nicht aufs Glatteis f\u00fchren (lacht). Ich gebe Ihnen deshalb eine indirekte Antwort: Als das Priesternetzwerk anl\u00e4sslich des Priesterjahres im Sommer in Rom war und wir Gespr\u00e4che mit verschiedenen Dikasterien gef\u00fchrt haben, waren wir ersch\u00fcttert \u00fcber die Macht- und Hilflosigkeit der r\u00f6mischen Beh\u00f6rden angesichts der deutschen Misere. Es ist eben nicht so, da\u00df man in Rom nicht w\u00fcsste, was in Deutschland los ist. Wir waren auf Widerspruch vorbereitet, als wir unsere Dossiers \u00fcber verschiedene Vorg\u00e4nge in der deutschen Kirche vorgetragen hatten. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Es sei noch viel schlimmer als wir es geschildert h\u00e4tten, so wurde uns in einer Kongregation nicht ohne Anfl\u00fcge von Zynismus geantwortet. Besonders in der \u201eWilliamson-Aff\u00e4re\u201c sei man schockiert gewesen, da\u00df selbst Bisch\u00f6fe nicht davor zur\u00fcckgeschreckt seien, auf Distanz zum Papst zu gehen, anstatt ihn zu sch\u00fctzen. &#8211;<\/p>\n<p>Sie haben gerade das Problem \u201eDonum vitae\u201c genannt, es fallen mir im Handumdrehen eine Handvoll anderer Vorg\u00e4nge ein, die das Auseinanderbrechen von Orts- und Weltkirche schmerzhaft zu Tage treten lassen: Der \u00d6kumenische \u201eKirchen\u201ctag mit seinem Schwulen- und Lesbenprogramm; die Interkommunion; das ZdK mit seinen uns\u00e4glichen (= neuer und alter) Pr\u00e4sidenten; die K\u00f6nigsteiner Erkl\u00e4rung; die sogenannten \u201ePastoralteams\u201c in den neu erfundenden Seelsorgseinheiten, die das Hirtenamt des Pfarrers bis zur Unkenntlichkeit verdunkeln etc., etc&#8230;.<\/p>\n<p>Es ist immer das gleiche Spielchen: Rom schreibt eine Instruktion, eine Ermahnung oder aber der Papst mahnt die Bisch\u00f6fe h\u00f6chstpers\u00f6nlich, bestimmte Fehlentwicklungen zu korrigieren, und es passiert \u2013 nichts!<\/p>\n<p>In Rom f\u00fchlt man sich offenbar weitgehend machtlos gegen die m\u00e4chtigen \u2013 aus Kirchensteuern finanzierten &#8211; Apparate vor Ort. Briefe, Ermahnungen und Anweisungen aus Rom w\u00fcrden von den lokalen Autorit\u00e4ten in einer Unbek\u00fcmmertheit \u00fcbergangen, da\u00df es einem die Sprache verschlage, so sagte man uns im Staatssekretariat. Es bleibe daher nichts anderes \u00fcbrig, als entweder auf den Zusammenbruch des deutschen Kirchensteuerwesens oder aber auf eine \u201ebiologische L\u00f6sung\u201c hinsichtlich der Entscheidungstr\u00e4ger zu warten.<\/p>\n<p>Mit Verlaub: Die meisten Mitbr\u00fcder im Netzwerk sind nicht bereit, sich mit diesen von den r\u00f6mischen Beh\u00f6rden aufgezeigten \u201eGeduld-L\u00f6sungen\u201c abzufinden. Wir halten diese L\u00f6sungen auch f\u00fcr unangemessen und nicht evangeliumsgem\u00e4\u00df. Au\u00dferdem: Wir m\u00f6chten auch die Gl\u00e4ubigen aufr\u00fctteln, damit sie sich dem verh\u00e4ngnisvollen Trend entgegenstellen.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Man k\u00f6nnte noch weitere Beispiele einf\u00fcgen. Nehmen wir ein scheinbar \u201eharmloseres\u201c Thema: Die Priesterkleidung. <\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Ich habe mich vor einigen Jahren entschieden, fast ausnahmslos die Soutane zu tragen. Sie ist in meinen Augen eine geeignete (und nebenbei bemerkt auch sehr praktische) M\u00f6glichkeit, den geistlichen Stand in der \u00d6ffentlichkeit sichtbar zu machen. Der Priester ist nichts \u201eBesseres\u201c, wohl aber ein \u201eAnderer\u201c: Darauf macht die geistliche Kleidung aufmerksam. Es hat mich selbst \u00fcberrascht, aber es ist so: Die Soutane gew\u00e4hrt seinem Tr\u00e4ger einen besonderen Schutz \u2013 in der \u00d6ffentlichkeit wie auch im privaten Raum. Der Priester erf\u00e4hrt bis hinein in die Konkretheit seines Leibes den Segen seiner geistlichen Kleidung. Sie erinnert nicht zuletzt auch ihren Tr\u00e4ger daran, da\u00df er in besonderer Weise Gott geweiht ist und da\u00df diese Weihe Seele und Leib umfasst. Und sie ist ein Zeichen der Bereitschaft, der Kirche und ihren Weisungen gehorsam zu sein.<\/p>\n<p>Ganz davon abgesehen \u2013 und darauf wollen Sie mit Ihrer Frage wahrscheinlich hinweisen \u2013 gibt es ja auch partikularrechtlich eindeutige Bestimmungen, die eine geistliche Kleidung verpflichtend vorschreiben. Der Priester mu\u00df erkennbar sein, ganz gleich, ob in Soutane oder mit Kollar. Was ist davon zu halten, wenn \u2013 unbeschadet dieser Vorschrift \u2013 in einer deutschen Di\u00f6zese der Sekret\u00e4r des Priesterrates in b\u00fcrgerlicher Kleidung \u2013 in diesem Fall mit schlecht sitzender und farblich nicht zu seinem Anzug passender Krawatte \u2013 auf einem Podium neben seinem Bischof sitzt und jener keine Miene verzieht? Jeder Beobachter wird sich denken, da\u00df dieses Auftreten des Zivilpriesters auch im Sinne des Gesetzgebers ist &#8211; und folglich in Ordnung. Die Soutane hingegen \u2013 die vom kirchlichen Gesetzbuch nat\u00fcrlich weiterhin als Klerikerkleidung gef\u00fchrt wird \u2013 erweist sich stets als \u201eKarrierekiller\u201c. Auch hier haben sie wieder dieses bizarre Ph\u00e4nomen: Wer sich um Gehorsam bem\u00fcht, muss sich rechtfertigen und ger\u00e4t unter Druck.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nKirchliche Umschau:<\/strong> Der Z\u00f6libat hat unter den deutschen Bisch\u00f6fen immer weniger Verteidiger, denken wir an die \u201eVorschl\u00e4ge\u201c von Msgr. Ackermann von Trier, Msgr. Schick von Bamberg, Msgr. Jaschke in Hamburg&#8230;&#8230;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat seine Amtszeit mit der Aussage begonnen, der Z\u00f6libat sei theologisch nicht notwendig. In diesem Zusammenhang (es handelt sich um ein SPIEGEL-Interview vom 16.02.2008) fiel dann auch das Wort, er sei gegen \u201eDenkverbote\u201c. Man fragt sich in aller Bescheidenheit, ob den Verantwortlichen die katastrophalen Folgen dieser \u00c4u\u00dferungen so recht bewu\u00dft sind. Bei einfachen Gemeindemitgliedern entsteht doch der Eindruck: Alle Priester und Bisch\u00f6fe, die nun nicht sofort \u00fcber den Z\u00f6libat und seine Relativierung nachzudenken beginnen, sind offenbar f\u00fcr \u201eDenkverbote\u201c. Seitdem ist eine Lawine losgetreten worden, die nicht mehr zu stoppen ist \u2013 obwohl Erzbischof Zollitsch selbst mehrfach versucht hat, die Relativierung der Z\u00f6libatsverpflichtung wiederum zu relativieren \u2013 ohne Erfolg, wie vorauszusehen war. Das ist jetzt nat\u00fcrlich viel zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Jeder deutsche Bischof sieht sich nun gezwungen, zu dieser k\u00fcnstlich losgetretenen Z\u00f6libatsdebatte Stellung zu beziehen. Und da wir in einem freien Land leben, ist jeder bem\u00fcht, darauf hinzuweisen, dass man \u00fcber diese Dinge nat\u00fcrlich reden d\u00fcrfe, weil sie ja \u2013 wie jedes Kind wei\u00df &#8211; nicht zum dogmatischen Kern der Kirche geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Merken Sie etwas? Dieser Fall ist ein Musterbeispiel f\u00fcr eine Kampagnenfalle, in die ein Verantwortlicher nach dem anderen hineintappt. Und das tun selbst jene, die nun \u2013 im Zusammenhang mit den Missbrauchsf\u00e4llen \u2013 betonen, es g\u00e4be nat\u00fcrlich keinen Zusammenhang zwischen P\u00e4dophilie und dem Z\u00f6libat. Sofort sind zwei Worte in der \u00d6ffentlichkeit (Z\u00f6libat\/P\u00e4dophilie), bei denen dann der nicht beabsichtigte Eindruck entsteht, sie st\u00fcnden eben doch in irgendeinem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Dieses Verhalten ist \u2013 vornehm gesagt \u2013 aus mehreren Gr\u00fcnden nicht hilfreich: Erstens: Die Kirche l\u00e4sst sich eine \u00fcberfl\u00fcssige Z\u00f6libatsdiskussion aufdr\u00e4ngen \u2013 und dies zu einer Zeit, in der das Thema P\u00e4dophilie in aller Munde ist. Zweitens: Die Aufregung dar\u00fcber, welcher Bischof nun f\u00fcr und welcher gegen den Z\u00f6libat ist, lenkt von den eigentlich wichtigen Fragen (Zusammenbruch des Glaubens in der deutschen Kirche, Mangel an Berufungen, Zerst\u00f6rung der Familie etc.) ab. Und schlie\u00dflich: Das p\u00e4pstliche Festhalten an der Verbindung von Priestertum und Z\u00f6libat wird im Mediengeschrei zu einer \u201eMeinung\u201c von vielen degradiert und zudem noch mit der Vokabel \u201eDenkverbot\u201c in Verbindung gebracht. Ich sage nicht, dass diese drei Folgen beabsichtigt waren. Aber die Beobachtung der \u201eBasis\u201c in den Gemeinden veranlasst mich zu dieser Feststellung. Gut gemeint ist eben oftmals das Gegenteil von gut.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Ihr Bischof, S. Em. Kardinal Karl Lehmann hat am Ende der Herbst-Versammlung ein Interview gegeben: Als n\u00f6tige \u201eReformen\u201c nannte er die Einf\u00fchrung des Diakonats f\u00fcr Frau, die Neuformulierung der katholischen Sexualmoral in Distanzierung von Humanae vitae, die Spendung der Kommunion an irrgl\u00e4ubige Christen, die gar nicht den Glauben an die Transsubstantiation haben, die Zulassung verheirateter M\u00e4nner zum Priesteramt\u2026<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie: <\/strong>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich betonen, dass die Priester des Priesternetzwerks ihren Bisch\u00f6fen gegen\u00fcber loyal und gehorsam sein wollen. Gerade an diesem von Ihnen angesprochenen Vorgang kann ich deutlich machen, wie uns Priestern oft zumute ist: Von der deutschen Bischofskonferenz werden zurzeit theologische F\u00e4sser aufgemacht, um deren Schlie\u00dfung der Papst sich seit Jahren m\u00fcht. So hat er z.B. in Fragen der Kommunionspendung an Nichtkatholiken und an sogenannte \u201ewiederverheirateten Geschiedenen\u201c mit nicht zu \u00fcberbietender Klarheit gesprochen. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, in welchem Zwiespalt Priester stehen, die in diesen brisanten Fragen zwischen der Meinung ihres Ortsordinarius und des Papstes zerrieben werden?<\/p>\n<p>Diese Spannungen \u2013 und ihr Name ist Legion &#8211; werden \u201evon au\u00dfen\u201c als plumper Machtkampf gedeutet, was es aber gar nicht ist. Es geht um die Kirche, die unsere Heimat ist. Es geht um die Autorit\u00e4ten auf lokaler und universaler Ebene, denen wir Ehrfurcht und Gehorsam versprochen haben. Dieser Konflikt bringt nicht nur die Zartbesaiteten unter uns in ganz arge Bedr\u00e4ngnis. Unser Brief ist deshalb auch ein Hilfeschrei \u2013 nicht nur in Richtung Papst, sondern auch in die Richtung unserer Ortsbisch\u00f6fe.<\/p>\n<p>Unseres Erachtens nach l\u00e4sst sich oftmals keine Position finden, die nicht entweder die Loyalit\u00e4tspflicht dem Papst oder aber dem Bischof gegen\u00fcber verletzt. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, f\u00fcr welchen Weg sich die meisten Di\u00f6zesanpriester entscheiden. Warum dieser Weg in den Medien immer noch als \u201emutig\u201c gilt, werde ich wohl nie verstehen. Welchen Mut braucht es, um hierzulande den Papst \u00f6ffentlich abzukanzeln? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich: Es gibt einen noch verheerenderen Weg, diesen Zwiespalt in Sachen Gehorsam zu l\u00f6sen: Viele Priester legen sich theologisch und pastoral \u00fcberhaupt nicht mehr fest. Sie nutzen den Dissens zwischen Orts- und Weltkirche, um sich zur\u00fcckzuziehen und sich jeden Urteils vollst\u00e4ndig zu enthalten \u2013 aus Angst, zwischen die Lager zu geraten. Die fatalen Folgen f\u00fcr die Pfarrgemeinden habe ich bereits oben angedeutet. Die Leute wissen doch gar nicht mehr, was gilt. Sie sind der Diktatur des Relativismus in einer Weise ausgeliefert, die jeder Beschreibung spottet. Und wiederum: Es geht um den Glauben.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Warum schert kein Bischof aus \u2013 auch keiner denen, die in unserem Land als \u201ekonservativ\u201c und \u201epapsttreu\u201c gelten &#8211; und sagt \u00f6ffentlich: \u201eDa mach ich nicht mit! Das decke ich nicht durch mein Schweigen!\u201c Wenn nicht jetzt, wann dann? <\/p>\n<p><strong><br \/>\nPfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Das Ziel des Priesternetzwerks ist ja, Bisch\u00f6fe zu ermutigen, den p\u00e4pstlichen Weisungen zum Durchbruch zu verhelfen. Sicher gibt es nicht wenige Oberhirten, die angesichts der deutschen Sonderwege in gro\u00dfer Sorge sind. Zwischen den Zeilen k\u00f6nnen Sie das aus vielen Verlautbarungen herauslesen. Unsere Hirten sollen wissen, dass Sie nicht alleine dastehen, wenn Sie sich entschiedener auf die Seite des Papstes stellen. Es sind zahlreiche Priester und Gl\u00e4ubige da, die auf ein Zeichen der Solidarit\u00e4t mit dem Heiligen Vater warten \u2013 ein Zeichen, dass sich eben nicht in Worten ersch\u00f6pft, sondern dass sich an konkreten Taten ablesen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Einem Bischof f\u00e4llt es viel leichter, eine r\u00f6mische Instruktion in seiner Di\u00f6zese umzusetzen, wenn er wei\u00df, auf welche Priester und Gl\u00e4ubigen er sich bei den Problemen der Umsetzung verlassen kann. Wir sind sicher, dass insbesondere das Pontifikat eines deutschen Papstes eine Gnadenstunde f\u00fcr die Kirche ist, die wir in Deutschland nicht einfach verstreichen lassen sollten. Warum tanzt seit dem Tod des Fuldaer Bischofs Johannes Dyba so selten ein Oberhirte aus der Reihe? Das ist schwer zu sagen, hier kann nur spekuliert werden. Die Causa Mixa hat jedoch gezeigt, dass das bisch\u00f6fliche Verhalten \u201eAbweichlern\u201c gegen\u00fcber alles andere als br\u00fcderlich sein kann, um es sehr vorsichtig auszudr\u00fccken. Mag sein, dass hier die Angst regiert. Dar\u00fcber will ich nicht spekulieren.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Wir sollten beten, dass die bisch\u00f6fliche Hirtensorge f\u00fcr die Erhaltung des Glaubens wieder neu erwache und man glaubenszersetzende \u00c4u\u00dferungen von Mitbr\u00fcdern nicht einfach als \u201eMeinungsverschiedenheit\u201c unwidersprochen l\u00e4sst. Wie kann man Ihrer Meinung nach die priesterliche Seele wieder aufleuchten lassen, die sacerdotale Spiritualit\u00e4t zur\u00fcckgewinnen?<\/p>\n<p><strong><br \/>\nPfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Priestertum und Me\u00dfopfer geh\u00f6ren zusammen. Der Gehorsam des Priesters zeigt sich zuallererst in der Darbringung des Me\u00dfopfers. Wie wollen Sie den Gehorsam Christi rituell darstellen, wenn Sie sich gleichzeitig narzisstisch im Ausprobieren immer neuer M\u00e4tzchen produzieren?<\/p>\n<p>Der Papst hat nun den \u201eAlten Ritus\u201c rehabilitiert, und meiner Erfahrung nach ist dieser Ritus eine herausragende Schule des Gehorsams. Der Priester l\u00e4sst sich von den Vorgaben dieses Ritus in einer Weise pr\u00e4gen, die dem neuen Ritus fremd ist. Hier ist alles vorgegeben \u2013 jedes einzelne Wort, ja selbst die Kopfverneigungen und die Art der Handhaltung. Ich kannte diesen Ritus nicht aus Kindertagen, muss Ihnen aber sagen: Nachdem ich diesen Ritus erlernt hatte und <strong>meine \u201ePrimiz\u201c in der au\u00dferordentlichen Form des r\u00f6mischen Ritus feierte, da ergriff mich ein Gef\u00fchl des Nachhausekommens: Hier bist du als Priester bei dir und dem lieben Gott angekommen.<\/strong><\/p>\n<p>Menschen aus meiner Gemeinde, die liturgisch \u00fcberhaupt nicht vorgebildet sind \u2013 und deshalb nicht wissen k\u00f6nnen, dass der vorkonziliare Ritus als \u201eb\u00f6se\u201c zu gelten hat \u2013, sprechen mittlerweile bzgl. des alten Ritus v\u00f6llig unbedarft als von der \u201eechten Messe\u201c \u2013 und das dr\u00fcckt genau die Empfindungen aus, die mich selbst ergreifen, wenn ich das \u201eIntroibo\u201c ausspreche: Dieser Ritus bringt das Opfer Christi authentisch und unverstellt zum Ausdruck, er ist sakraler, mehr auf das Wesentliche bezogen, ehrf\u00fcrchtiger \u2013 und er nimmt den Priester st\u00e4rker in die Schule des Gehorsams, was sehr wichtig ist.<\/p>\n<p>Mag sein, dass mich einige f\u00fcr verr\u00fcckt halten, aber nach meiner festen \u00dcberzeugung ist die alte Messe notwendig zur Gesundung der Kirche. Wir brauchen ganz dringend eine Reform der Reform. Und wir brauchen Bisch\u00f6fe, die die gro\u00dfen liturgischen Anliegen des gegenw\u00e4rtigen Papstes aufgreifen, anstatt sie zu blockieren, wobei wir wieder beim Thema Gehorsam w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Hw. Pfarrer Dr. Rodheudt aus Aachen, der mit mir und Hw. Pfarrer Winkel aus Fulda zum Sprechergremium des Priesternetzwerkes geh\u00f6rt, hat einmal gesagt: \u201eDie alte Messe braucht eine Avantgarde, die sie auf den Leuchter zur\u00fcckstellt. Sie ist die Messe von morgen, weil es ohne sie kein Morgen geben wird.\u201c Manche m\u00f6gen das pathetisch finden. Ich bin sicher, dass er recht hat. In diesem Sinne wollen wir Avantgarde sein.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau:<\/strong> Was w\u00fcrden Sie einem Bischof raten?<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Hendrick Jolie:<\/strong> Das Netzwerk katholischer Priester hat mehrfach versucht, mit den Bisch\u00f6fen in Kontakt zu treten. Wir bedauern es, da\u00df dieser Kontakt oftmals verweigert wird und wir zu \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rungen und Ver\u00f6ffentlichungen im Internet greifen m\u00fcssen, um unsere Meinung kundzutun. Unsere Botschaft an jeden Bischof ist \u2013 bei allem Respekt \u2013 eindeutig und klar.<\/p>\n<p>Sie lautet:<\/p>\n<p>Exzellenz bedenken Sie, dass der Papst es noch viel schwerer hat und dass er Mitbr\u00fcder im deutschen Episkopat braucht, die ihm den R\u00fccken st\u00e4rken, damit sich in Deutschland etwas zum Guten, d.h. zum Heil der Kirche und der Seelen, bewegt. &#8211; Gegen eine Krankheit muss angek\u00e4mpft werden, ansonsten breitet sie sich immer mehr aus. Und jeder Kampf verlangt eine eindeutige Positionierung! Nur so k\u00f6nnen Sie den Seelen, f\u00fcr die Sie verantwortlich sind, Klarheit schenken in dieser Zeit teuflischer Verwirrung und ihnen den Weg zeigen, der zur ewigen Heimat f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir bitten Sie um diese Klarheit in der lehramtlichen Verk\u00fcndigung. Wir bitten Sie um deutliche Distanzierung von den H\u00e4resie-beg\u00fcnstigenden Aussagen bestimmter Mitbr\u00fcder. Wir bitten Sie, sich in Wort und Tat \u2013 notfalls im Alleingang \u2013 als pastor proprius ihrer Di\u00f6zese, hinter den Papst zu stellen in den konkreten Punkten, in denen der Papst aktuell bem\u00fcht ist, die traditionelle Lehre der Kirche gegen Angriffe von innen zu st\u00fctzen: <\/p>\n<p>Erf\u00fcllen Sie durch einen Di\u00f6zesanerlass den Wunsch des Papstes, zu der richtigen Version der Wandlungsworte zur\u00fcckzukehren. Wiederholen Sie \u00f6ffentlich die Mahnung des Papstes, da\u00df es nicht Gegenstand der Diskussion sein kann, Frauen Anteil am Weihesakrament zu gew\u00e4hren, auch nicht am Diakonat, eben weil dies unm\u00f6glich ist, da es nicht der geoffenbarte Wille Gottes ist. St\u00e4rken Sie dem Papst gegen verschiedene Ihrer Mitbr\u00fcder den R\u00fccken, indem auch Sie erkl\u00e4ren, dass der Z\u00f6libat auf die apostolische Lebensweise und das Beispiel unseres Herrn zur\u00fcckgeht und darum keinesfalls verhandelt werden kann.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Umschau: <\/strong>Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Das Interview mit Hw. Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz f\u00fchrte KU-Redakteur Jens Mersch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pfarrer-jolie.de\/priestertum\/interview-ku\/\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Loyalit\u00e4tskonflikt zwischen Rom und Ortskirche<br \/>\nNeufassung der Konsekrationsworte<br \/>\nDie Priesterkleidung<br \/>\nZ\u00f6libat<br \/>\npapsttreu<br \/>\nau\u00dferordentlichen Form des r\u00f6mischen Ritus<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[39],"class_list":["post-113","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bewegendes","tag-konsekrationsworte-priesterkleidung-zolibat-papsttreu-romischen-ritus"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.8 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Im Loyalit\u00e4tskonflikt zwischen Rom und Ortskirche - 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