{"id":233,"date":"2012-12-24T17:57:27","date_gmt":"2012-12-24T15:57:27","guid":{"rendered":"http:\/\/omnia-instaurare-in-christo.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=233"},"modified":"2024-10-09T19:15:50","modified_gmt":"2024-10-09T18:15:50","slug":"heilige-nacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/?p=233","title":{"rendered":"Heilige Nacht"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/proxy-image.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"474\" height=\"315\" src=\"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/proxy-image.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4383\" srcset=\"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/proxy-image.jpeg 474w, http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/proxy-image-300x199.jpeg 300w, http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/proxy-image-200x133.jpeg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n<p>Heilige Nacht.Es ist die Nacht der gro\u00dfen Verwandlung.<\/p>\n<p>Weihnachten \u2013 Ereignis der Verwandlung. Es verwandelt sich die Finsternis in die Nacht.<\/p>\n<p>Finsternis ist ohne Hoffnung, aussichtslos, ziellos, ausweglos. Finsternis ist voller Verzweiflung, eine Wand, nichts, das Nichts, ohne Aussage, ohne Wort. Nacht aber ist der gro\u00dfe Scho\u00df, der in sich das Licht enth\u00e4lt. In der Nacht rauschen Geheimnisse auf. Nacht: das ist das, was Aussicht, Weg, Zukunft, Ewigkeit in sich birgt und wei\u00df. Nacht: das ist lichtschwanger, ewigkeitsschwanger; Nacht jenseits des Tages, das Eigentliche bergend, das Wort bergend, das eine, Notwendige, das gesprochen wird, vom Vater gesagt wird. Da der Vater Sich ausspricht \u2013 und was Er ausspricht, ist Er selber, das Wort, das Er zeugt und das in die Welt hineinkommt, vom Vater gesprochen, und aufleuchtet als Kind.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chtige Schweigen, Mariens Scho\u00df, bringt hervor das Licht. Und siehe da: Das ewige Licht, der allm\u00e4chtige Sch\u00f6pfer aller Dinge, Gott, ist ein Kind, ein kleines, wimmerndes, staunendes Kind. Ein Kind, das mit weitge\u00f6ffneten Armen das ewige Licht wei\u00df, in das es von Ewigkeit schaut, in den ursprungslosen Ursprung, in den Vater. Es ist das staunende Kind, Eigent\u00fcmer des Staunens, dessen, was den Menschen zum Menschen macht, weil es den Menschen verg\u00f6ttlicht und zu ungeahnten H\u00f6hen hebt. Denn der staunend Ehrf\u00fcrchtige, der vom Licht Ergriffenen und vom Licht Befallene wird eben dadurch zum Licht emporgehoben, denn das lichtschauende Auge ist selber lichthaft. Und der Wahrnehmende wird auf die H\u00f6he dessen gehoben, was er wahrnimmt. Und der Erkennende ist auf der H\u00f6he dessen, was er erkennt. Und dieses Menschenkind, das Gott ist, ist zum Vater erhoben, weil es den Vater schaut in Seinem menschlichen Geiste.<\/p>\n<p>Denn es sind zwei Ebenen des Bewu\u00dftseins in diesem kindgewordenen Gott. Als Mensch entwickelt sich Sein Geist wie bei jedem anderen Menschen auch. Er nimmt zu an Alter, Weisheit und Gnade im Auge Gottes und im Auge der Menschen. Er lernt, Er empf\u00e4ngt, Er gewinnt, er w\u00e4chst. Zugleich aber ist in Seinem Geiste schon die Vollendung. Im Mutterscho\u00dfe und in der Krippe liegend, schaut dieses Kind, wie eben gesagt, voll Ehrfurcht und Wonne den Vater und zugleich ein anderes Staunen \u2013 nicht nur das staunende Schauen ins Licht, sondern das staunende Schauen in die Finsternis. Gott macht Sich die Finsternis zu eigen. Gott kommt in eine unbehagliche Welt, ins unbehagliche Dunkel, in die Gottesferne, ins Nichts, in die Ausweglosigkeit und Aussichtslosigkeit, in die Verzweiflung, in die Erniedrigung, in die Schmach.<\/p>\n<p>Alles, was den Menschen kennzeichnet nach seiner schrecklichen Fehlentscheidung, nach seiner Verweigerung, all dies nimmt Gott an. Dieses Kind, in der Krippe tritt es an den langen Marsch durch die Finsternis. Und Es sieht diesen langen Marsch durch alle Stationen irdischer Finsternis und irdischen Elendes voraus. Da Gott die Finsternis, die Verzweiflung, die Schande, die Erniedrigung Sich zu eigen macht, wird die Finsternis g\u00f6ttlich. Die Gottesferne, das Nichts, das Erleiden des Nichts wird g\u00f6ttlich f\u00fcr den, der &#8222;JA&#8220; sagt, also guten Willens ist. Es wird alles verwandelt, es wird alles anders. Die Finsternis wird Nacht. Die Aussichtslosigkeit wird voll Verhei\u00dfung und Hoffnung. Und was im Zeichen der Trennung von Gott stand, die Erfahrung der Gottesferne, die Trostlosigkeit, die Einsamkeit, das Verlachtwerden, Verh\u00f6hntwerden, Verkanntwerden, Verleumdetwerden. Alles, was der Mensch durch die Jahrtausende seiner entsetzlichen Irrfahrt hindurch erleiden mu\u00dfte, jedes Einzelnen Elend: das alles nimmt Gott an und es wird darum verwandelt.<\/p>\n<p>Es war ein Zeichen der Gottesverbannung, es war ein Zeichen des Ausgesto\u00dfenseins, es war ein Zeichen der Strafe. Die Strafe besteht darin, da\u00df Gott den freien Entschlu\u00df des Menschen annimmt und ernst nimmt \u2013 das ist seine Strafe \u2013, da\u00df Gott den Menschen seinem selbstgew\u00e4hlten Geschick \u00fcberl\u00e4\u00dft \u2013 &#8222;Sieh du zu!&#8220;. Das alles, was im Zeichen dieser Entfernung von Gott, dieses Drau\u00dfenseins, dieses Nichts gestanden hat, eben Leiden und Krankheit und Not und Hunger und Qual, das Erleidenm\u00fcssen uns\u00e4glicher Einsamkeit im Verlust nahestehender Menschen, harte Arbeit, gepeitscht, getreten werden, das Schicksal der Sklaven, das alles wird f\u00fcr den, der nun &#8222;JA&#8220; sagt zu dem ganz nahegewordenen Gott, zum Zeichen des Drinnenseins, zum Zeichen des Angenommenseins.<\/p>\n<p>Leiden hei\u00dft jetzt nicht mehr &#8222;Gott straft mich&#8220;, sondern: &#8222;Ich bin drinnen! Ich habe g\u00f6ttliche Macht und Chance, g\u00f6ttliche Macht auszustrahlen.&#8220; Das Leiden h\u00f6rt nicht auf Leiden zu sein, aber da Gott das Leiden Sich zu eigen macht und verg\u00f6ttlicht, leiden wir nicht mehr unter unserm Leiden und sehen darin nichts Negatives mehr, sondern Erh\u00f6hung, Best\u00e4tigung.<\/p>\n<p>Der Mensch wird durch sein Leiden, das ihn mit Gott eins macht, g\u00fcltig, m\u00e4chtig, gewichtig, geheimer Herrscher. Die Pr\u00e4sidenten, die Ministerpr\u00e4sidenten und Kanzler, die K\u00f6nige und Diktatoren scheinen den Ausschlag zu geben und zu herrschen. Aber im Grund herrscht der einsame, unbeachtete, leidende Mensch in seiner scheinbaren Aussichtslosigkeit, scheinbar vergessen, mit Undank bedacht, bedroht, betrogen, umgeben von allen Gemeinheiten, die Menschen sich ausdenken k\u00f6nnen. Mitten in all diesen f\u00fcrchterlichen Schrecken und Grausen ist der geplagte Mensch, der &#8222;JA&#8220; sagt zu diesem kindgewordenen Gott, Herrscher der Welt. Von ihm gehen die Kraftstr\u00f6me aus, die den Ausschlag geben. Dort, wo die einsamen ihr Leid mit dem gekreuzigten Gott vereinen, dort sind die Throne aufgerichtet, von denen aus die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels gerichtet werden, von denen aus die gro\u00dfe \u00dcberschau erfolgt, von denen aus die Welt gelenkt und gerettet wird.<\/p>\n<p>Jegliches Leiden ist eine Erhebung, eine Thronerhebung, eine Best\u00e4tigung. Wer \u00fcber seinem Leiden verzweifelt, hat nichts begriffen. F\u00fcr den, der noch drau\u00dfen steht, der dem Islam anh\u00e4ngt oder dem alten Judentum, das von Christus nichts wei\u00df, f\u00fcr den ist das Leiden ein Zeichen, da\u00df Gott ihm eine Absage erteilt, da\u00df Gott ihn ins Au\u00dfen stellt, in die Ecke, da\u00df Gott ihn straft. F\u00fcr den, der drau\u00dfen steht, ist alles irdische Gl\u00fcck eine Wohltat seitens Gottes und alles irdische Leid etwas von Gott unverst\u00e4ndlicherweise Zugef\u00fcgtes. Wir aber sind nicht im Islam. Wir sind nicht im alten Judentum. Wir sind auf der Ebene der Erl\u00f6sung. F\u00fcr uns ist das Leiden ein Zeichen: Du bist drinnen. Du hast Anteil am G\u00f6ttlichen, h\u00f6chsten Anteil. \u2013 Freue dich und frohlocke, wenn dich die Menschen verleumden und schm\u00e4hen und betr\u00fcgen, wenn dich die Menschen verachten, wenn sie dir alles F\u00e4lschliche nachsagen, wenn du einsam bist, wenn du unverstanden, verkannt, falsch eingesch\u00e4tzt wirst, wenn du leidest, wenn du geschlagen bist mit Krankheiten! Erhebe deine Augen, die Augen des Geistes! Erhebe dein Haupt und wisse: &#8222;Dies alles habe Ich, dein Gott, erlitten, mehr, als du je es erleiden k\u00f6nntest. Ich habe den Gang angetreten durch die Jahrtausende des Menschengeschlechtes und jedes einzelnen Menschen Leid mit wachen Sinnen durchlitten, jeden kleinsten Bruchteil einer Sekunde.&#8220; Dein Leiden ist ein Samenkorn. Von au\u00dfen ist das Samenkorn unansehnlich, h\u00e4\u00dflich, unbedeutend. Wie ein Nichts, wie etwas zum Wegwerfen sieht es aus. Es hat keine Gestalt und keine Sch\u00f6nheit, das Samenkorn. Aber drinnen \u2013 geheimnisvoll, verhei\u00dfungsvoll \u2013 ist die Herrlichkeit der Rose und der Bl\u00fcte und der Frucht. Wenn das Samenkorn in die Erde f\u00e4llt und stirbt, dann kommt es zu sich.<\/p>\n<p>Also: Sage &#8222;JA&#8220;! Mehr brauchst du nicht. Auch wenn du ungerecht und erst recht auch wenn du gerechterweise bestraft wirst, ins Gef\u00e4ngnis kommst, in harte Fron kommst, wenn du gerechterweise leidest, wenn verst\u00e4ndlicherweise die Menschen dich deines Tuns wegen verachten, auch diese Leiden sind von Gott gesegnet. Und jenes Leiden, das die S\u00fcnde mit sich bringt, die S\u00fcnde, die mir \u2013 meine S\u00fcnde \u2013 t\u00e4glich, abendlich vor Augen steht, die ganze Br\u00fcchigkeit meines Daseins, das ich daherstottere, die Fragw\u00fcrdigkeit meiner Beweggr\u00fcnde, die Armseligkeit meines Tuns und Gebarens, meiner Gedanken und Worte: all dies zu erleiden ist Gott gekommen. Er erleidet die S\u00fcnde des Menschen. Und sofern du unter deiner Unvollkommenheit, deinem st\u00e4ndigen Fallen, deiner R\u00fcckf\u00e4lligkeit leidest, insofern deine S\u00fcnde Kreuz ist, ist auch deine S\u00fcnde gesegnet. Und alles, was dir zugef\u00fcgt werden k\u00f6nnte, alles wird dir zum besten gereichen \u2013 auch die S\u00fcnde \u2013, da Gott f\u00fcr dich, f\u00fcr mich zur S\u00fcnde geworden ist. Er hat den Zustand der S\u00fcnde angenommen, ist uns in allem gleich geworden. Nur hat Er pers\u00f6nlich keine S\u00fcnde begangen \u2013 aber den Zustand der S\u00fcnde erlitten, so da\u00df auch die S\u00fcnde f\u00fcr dich zum Segen wird. Alles, alles wird zum Segen.<\/p>\n<p>Das Kind ist da und schaut in die grausige Zukunft Seines Erdendaseins. Jahrtausende sind in diese wenigen Jahrzehnte hineingenommen, Jahrtausende dieses grauenvollen Erdendaseins. Blut und Tr\u00e4nen und Schl\u00e4ge und Striemen und vor allem die Not der Seelen, die Verzweiflung der Selbstm\u00f6rder: all dies zu durchschreiten, Sich mit allem zutiefst vertraut zu machen, begibt Sich Gott von der Krippe aus auf den Weg.<\/p>\n<p>Und schon liegt wie ein gewaltiger Schatten die Endstation des Weges \u00fcber der Krippe \u2013 das Kreuz. &#8222;Dieser ist gekommen zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel und zum Zeichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele&#8220;, sagt Simeon zu dem spiegelnden Bronnen, zu dem reinsten Spiegel, zu Maria, &#8222;wird ein Schwert durchbohren, auf da\u00df die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.&#8220;<\/p>\n<p>Nun bist du unabh\u00e4ngig geworden. Dein Gl\u00fcck ist v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Schicksal. Leiden ist dein Gl\u00fcck, ist deine Macht und Kraft und Herrlichkeit. Wir kennen ja jenen Katalog aus dem Korintherbrief des hl. Paulus, wo er sich seiner Leiden und Schwachheiten r\u00fchmt, er, der geschlagene Apostel, der unter den f\u00fcrchterlichsten Tritten und Anfechtungen und Gewalttaten Satans aufschreit zum Herrn: &#8222;Komm und nimm dies wenigstens von mir!&#8220; \u2013 &#8222;Nein!&#8220;, h\u00f6rt er die Stimme. &#8222;Meine Gnade gen\u00fcgt dir. Denn die Kraft und die Herrlichkeit Gottes kommt in der Schwachheit&#8220;, in der Armseligkeit, im Leiden, in der Not &#8222;zur Vollendung.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist die Verwandlung dieser heiligen Nacht. Der allm\u00e4chtige Gott wird Kind. Die Ohnmacht verwandelt sich in Allmacht, die Finsternis in heilige Lichtnacht, das Leiden in Macht und Herrlichkeit. Wenn es hei\u00dft &#8222;Gro\u00df ist euer Lohn im Himmel&#8220;, dann ist das jetzt schon erf\u00fcllt; denn der Himmel ist ja in dir. Du wirst des Himmels gewahr werden, wenn dieser Leib von dir abf\u00e4llt. Aber auch dieser Leib, gerade dieser Leib, dieser geschlagene, behaftete, gequ\u00e4lte, gemarterte Leib, dieses Gehirn, eben die Ursache f\u00fcr alles seelische und geistige und k\u00f6rperliche Leiden, dieses Instrument g\u00f6ttlicher Machtaus\u00fcbung, da das Wort Fleisch geworden ist: wenn dieses Fleisch von dir abf\u00e4llt, dann wirst du merken, wie nun alles Leiden in Herrlichkeit aufgegangen ist und was schon eh und je in dir war, nur verborgen.<\/p>\n<p>Denn der Himmel ist in dir. Suchst du ihn anderswo, du fehlst ihn f\u00fcr und f\u00fcr. In dir ist der dreifaltige Gott. In dir ist unaussprechliche Wonne. In dir sind die drei g\u00f6ttlichen Personen \u2013 Vater, Sohn, Heiliger Geist. Sie besprechen Sich. Sie sind in ekstatischer Liebe entbrannt. Sie sind au\u00dfer Sich und wohnen deshalb ineinander. Das alles ist in dir, in deinem Leibe und in deinem Geiste. Und der Sohn spricht zu Seinem Vater von Seinen entsetzlichen Erfahrungen durch die Jahrtausende Seines Erdenleides hindurch. Er erleidet Jahrtausende, weil jeder kleinste Bruchteil jeder Sekunde mit \u00e4u\u00dfersten Nervenenden, hellwach von Ihm durchlitten wird. Er leidet viel intensiver, als je ein Mensch leiden k\u00f6nnte. Er ist darum der tief Vertraute deiner Leiden. Und wenn du Ihm deine Leiden klagst, dann h\u00f6rst du: &#8222;Ich wei\u00df doch alles. Ich wei\u00df es doch. Sei getrost, Ich bin es. F\u00fcrchte dich nicht. Sei Herr deiner Leiden! Nimm sie in die Hand wie ein Zepter und beherrsche in Mir und durch Mich die Welt!&#8220; Und dar\u00fcber spricht der Sohn zum Vater und der Vater zum Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes. Und in der Liebe des Heiligen Geistes tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus. Und in der Mitte Ihrer liebenden Gespr\u00e4che bist du. Denn du bist Gottes Leidenschaft. Dein Leiden ist Gottes Leidenschaft. Dein Weg ist Gottes Leidenschaft. Alles wird gut. Du bist also v\u00f6llig unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Dein Gl\u00fcck, sage ich, ist unabh\u00e4ngig vom Schicksal, auch unabh\u00e4ngig von allen Gegebenheiten, von allen \u00e4u\u00dferen M\u00f6glichkeiten und Zuf\u00e4lligkeiten. Denn es h\u00e4ngt ja von \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden ab, ob du in der Lage bist, das heilige Opfer zu besuchen, dabei zu sein, wenn der Gottmensch Sich opfert. Es h\u00e4ngt ja von Umst\u00e4nden ab, \u00fcber die du keine Gewalt hast, ob du teilnehmen kannst an der heiligen Messe, ob du das Bu\u00dfsakrament empfangen und die Worte der Lossprechung h\u00f6ren kannst. Und wenn die M\u00f6glichkeit da ist, wird alles in dir danach brennen, die Sichtbarkeit Gottes zu erfahren, Seine Worte zu h\u00f6ren und im Fleische zu schauen das Heil, das in den heiligen Mysterien sich ereignet. Aber wenn dir diese Gelegenheit nicht gegeben ist, wenn du kein einziges Sakrament empfangen kannst, ist dann deine Erl\u00f6sung dadurch zuschanden geworden? \u2013 Keineswegs!<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt ein junger Mann ein, der immer in Depressionen sich bewegte, weil er die hei\u00dfersehnte Priesterweihe nicht empfangen konnte. Er geriet dar\u00fcber in Traurigkeit und Depressionen. Und ich sagte ihm: &#8222;Vergi\u00df nicht, da\u00df Du erl\u00f6st bist. Mag kommen, was wolle. Du bist erl\u00f6st. Du bist in Ihm. Vergi\u00dft Du die Einwohnung des Hl. Geistes? Vergi\u00dft Du, da\u00df Du drinnen bist im dreifaltigen Gott und Er in dir? Vergi\u00dft Du, da\u00df eben dieses Dein Leiden und Schmachten und Verlangen Freude ist? Warum leidest Du unter Deinem Leiden? Warum freust Du dich nicht Deiner Leiden? Warum r\u00fchmst Du dich nicht Deiner Leiden? Denn du bist erl\u00f6st!&#8220; \u2013 Das ist das Geschenk dieser Nacht. Der Unendliche wird klein, der Allm\u00e4chtige ein wimmerndes Kind, abh\u00e4ngig von den Menschen, ein wissendes, ein allwissendes Kind, ein Kind mit allem Liebreiz, ein staunendes Kind. Es staunt hinein ins Licht und hinein in die Finsternis. Staunend tritt es Seinen Weg an. Und Er wird von den \u00e4u\u00dfersten Enden aller M\u00f6glichkeiten menschlicher Verworfenheit, Verlorenheit und Not Seinen Weg antreten und dabei alle lieben, jeden lieben und Sich unter Verbrecher begeben und Freundschaft schlie\u00dfen mit dem verachtetsten und verkommensten Menschen: &#8222;Ich bin schon da. Ich bin bei dir.&#8220;<\/p>\n<p>Er wird Seiner Liebe wegen den Ha\u00df der Welt auf Sich ziehen. Er wird denen, die sich ihrer Taten r\u00fchmen, die Maske vom Gesicht rei\u00dfen. Er wird die besch\u00e4men und entlarven, die da meinen im Besitz der Gerechtigkeit zu sein und sicher der g\u00f6ttlichen Zusage und Belohnung. Er wird sie zur\u00fcckweisen und ihnen deutlich machen, da\u00df sie angewiesen sind auf das selbe Ausma\u00df des Erbarmens, dessen auch der letzte Verbrecher bedarf. Und das wird Ihm die Welt und das werden Ihm die &#8222;Gerechten&#8220;, die &#8222;neunundneunzig Gerechten&#8220; nicht verzeihen, da\u00df Er Sich mit den letzten Verbrechern in tiefster br\u00fcderlicher Liebe vereint: &#8222;Ich bin dein. Sei getrost, Ich bin&#8220;&#8220;s. F\u00fcrchte dich nicht!&#8220; Unabh\u00e4ngig bist du. Immer ist das Erbarmen in dir wirksam. Immer ist in dir der Hl. Geist, der die Vergebung der S\u00fcnden selber ist. Immer wird dein Ruf nach Erbarmen erf\u00fcllt. Dein &#8222;Ich will!&#8220; ist die absolute Garantie der Erf\u00fcllung. Dein &#8222;JA&#8220;-Wort ist alles. Mehr bedarf&#8220;&#8220;s nicht, keiner Vorleistung. Er ist da. Sag Ihm, &#8222;Ich bin auch da&#8220;. Das ist die heilige Nacht. Sie nimmt nicht das Leiden von dir. Manchmal h\u00f6rt man: &#8222;Mir ist Weihnachten verdorben. Ich habe keine Freude an Weihnachten.&#8220; Als m\u00fcsse Weihnachten auf einmal die Welt poliert sein und harmonisch und wohlgestaltet, als m\u00fcsse auf einmal alles Leiden verschwinden, als m\u00fcsse Weihnachten so wie eine einsame Oase in der W\u00fcste dieser Erdenfinsternis aufleuchten. Das ist eine Illusion! Das ist nicht der Sinn von Weihnachten, sondern Weihnachten birgt mit allen Finsternissen und mit allen Leiden, die es nicht nimmt, sondern verg\u00f6ttlicht, die es nicht ausl\u00f6scht, sondern best\u00e4tigt, Weihnachten bedeutet Heil f\u00fcr dein Leiden!<\/p>\n<p>Weihnachten nimmt dein Leiden nicht von dir weg, aber Weihnachten kr\u00f6nt dein Leiden und gibt deinem Leiden das Zepter der Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Das ist das Wort, das aus der Krippe dir entgegenleuchtet, aus der Verlorenheit, aus der Verlassenheit, unerkannt von den M\u00e4chtigen der Zeit, in einer Randprovinz.<\/p>\n<p>Jeder Prokurator, der dorthin versetzt ist, empfindet es geradezu als eine Strafversetzung. Wie eine Verbannung nach Sibirien mu\u00dfte ein Pontius Pilatus seine Stelle als Landpfleger empfinden in diesem verlassenen, verachteten Landstrich und dort noch in diesem unbekannten Nest; und da noch drau\u00dfen und da noch in jener H\u00f6hle, in jenem Stall, unbekannt, unbeachtet von der Welt, von da aus geht die Herrschaft, Seine Herrschaft. Warum Seine Herrschaft? \u2013 Deiner Herrschaft wegen. Sagst du &#8222;JA&#8220;? Du brauchst nur &#8222;JA&#8220; zu sagen \u2013 allerdings ein nachdr\u00fcckliches, ein leidenschaftliches, ein bedingungsloses, ein ungek\u00fcrztes &#8222;JA&#8220;-Wort, ein &#8222;JA&#8220;-Wort, das sich selber nicht beschneidet mit der t\u00f6richten Ausrede, kein Fanatiker sein zu wollen, ein &#8222;JA&#8220;-Wort, in das du dein ganzes Dasein hineinlegst, bedingungslos, mit einer flammenden Unbedingtheit, diese &#8222;JA&#8220;-Wort, das dich mit Haut und Haaren festlegt, das deine Freiheit in die unwiderrufliche Notwendigkeit hineinzieht. Dieses &#8222;JA&#8220;-Wort, das dich zum Herrn macht der Welt, dieses &#8222;JA&#8220;-Wort l\u00e4\u00dft dich mit diesem verachteten, armen, unbeachteten Kinde, von dem nur die einfachsten Menschen, arme, unbeachtete Hirten, erfahren, solidarisch, identisch werden. In Ihm, durch Ihn und mit Ihm wirst du herrschen, herrschst du jetzt schon. Jetzt, in dieser Sekunde, ereignet es sich f\u00fcr dich, da\u00df du kraft deiner Leiden zur Herrscherin und zum Herrscher wirst.<\/p>\n<p>Das ist die Botschaft, die heilige, beseligende Botschaft dieser Nacht. Darum will der Herr in dieser Nacht frohe Gesichter sehen, die froh sind, weil sie leiden, und nicht wie die, die drau\u00dfen stehen, die Heiden, die vom Wahn und der Finsternis des Islam Umfangenen, traurig sind, weil sie leiden.<\/p>\n<p>Beim Christen hat sich alles ins Umgekehrte verwandelt. Und dies habt zum Zeichen: <strong>das Kind in der Krippe.<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p>Pfarrer Hans Milch 1984<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heilige Nacht.Es ist die Nacht der gro\u00dfen Verwandlung. Weihnachten \u2013 Ereignis der Verwandlung. Es verwandelt sich die Finsternis in die Nacht. Finsternis ist ohne Hoffnung, aussichtslos, ziellos, ausweglos. Finsternis ist voller Verzweiflung, eine Wand, nichts, das Nichts, ohne Aussage, ohne Wort. Nacht aber ist der gro\u00dfe Scho\u00df, der in sich das Licht enth\u00e4lt. 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