{"id":2904,"date":"2016-02-23T23:33:31","date_gmt":"2016-02-23T21:33:31","guid":{"rendered":"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/?p=2904"},"modified":"2016-02-23T10:05:19","modified_gmt":"2016-02-23T08:05:19","slug":"moralismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/?p=2904","title":{"rendered":"Moralismus oder Moralit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"gesichter\" src=\"http:\/\/www.1001unicorns.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/sprechendebaeume_300x220.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"220\" \/>&#8230;<\/p>\n<p>Ich sprach vom &#8222;Moralismus&#8220; \u0096, da\u00df man f\u00e4lschlicherweise immer die Moral an den Anfang setzte, die Verhaltensweisen als das Entscheidende ansah, das Gute rangieren lie\u00df vor der Wahrheit, da\u00df sehr viel Kitsch einzog, da\u00df der Wert und die Notwendigkeit des Sch\u00f6nen allzu gering geachtet wurden: man glaubte, all dies w\u00fcrde 1962 \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>&#8222;Aha&#8220;, sagten viele, &#8222;endlich kommt die Zeit einer Vertiefung. Endlich wird die Gemeinde, werden die Gl\u00e4ubigen eingef\u00fchrt in die Tiefen der Wahrheit. Die Primitivit\u00e4t h\u00f6rt auf, ebenso der Pharis\u00e4ismus, der falsche Moralismus.<\/p>\n<p>Es wird im echten Sinne Jesu humaner werden. Die Kirche erneuert sich, so da\u00df es sich besser leben und freier atmen l\u00e4\u00dft im Innenraum der Kirche. Man wird fragen und miteinander reden k\u00f6nnen \u00fcber die Geheimnisse des Glaubens. Die Sperrmauer f\u00fcr das Denken wird fallen. Man wird wieder denken und endlich denken d\u00fcrfen.&#8220; Das alles w\u00e4hnte man. Und der b\u00f6se Feind hat die Mi\u00dfst\u00e4nde im Raum der Seelsorge au\u00dferordentlich geschickt genutzt, um in den Gl\u00e4ubigen die Wahnvorstellung zu erzeugen, jetzt h\u00f6ren die Mi\u00dfst\u00e4nde auf.<\/p>\n<p>Das war nat\u00fcrlich eine Wahnvorstellung; denn statt die Mi\u00dfst\u00e4nde zu beseitigen, brach nun im ganzen offiziellen Bild der Kirche, im ganzen Innenraum der Kirche, von oben her die Katastrophe ein: die Leugnung des Glaubens, die Verw\u00e4sserung, der falsche \u00d6kumenismus, die &#8222;Beitrags&#8220;-Ideologie, die falsche, antichristliche Ideologie vom allgemeinen, humanen Fortschritt, vom kollektiven Menschheitsfortschritt, kollektiver Menschheitsbesserung usw., usw.<\/p>\n<p>Auf dem Vehikel eines falschen Wahns ritt das Verderben. Und das konnte so geschehen, weil sich viele Menschen bedr\u00fcckt f\u00fchlten durch die geistige Unterern\u00e4hrung, durch eine verbreitete Verdummung und durch einen verbreiteten Pharis\u00e4ismus. Daf\u00fcr gibt es massenweise Beispiele und selbstverst\u00e4ndlich, wenn ich das sage, wei\u00df ich, da\u00df es auch Ausnahmen gab.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich war das nicht durchweg so, aber weithin so, und w\u00e4re das nicht so gewesen, h\u00e4tten die Zerst\u00f6rer, die lauernden, keine Chance gehabt. So hatten sie eine Chance. Wenn also die Wende kommt, werden wir diese falschen Bedingungen ausmerzen m\u00fcssen. Ich habe begonnen, planm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber zu predigen, wie wir uns katholisch reinigen m\u00fcssen, im katholischen Sinne unsere Grundeinstellung \u00e4ndern, den falschen Moralismus ausschalten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und ich habe auch schon &#8222;\u00dcber die Sch\u00f6nheit&#8220; gesprochen. Moralismus ist nicht dasselbe wie Moralit\u00e4t. Selbstverst\u00e4ndlich sind wir f\u00fcr die Moral das ist eine Binsenweisheit.<\/p>\n<p><strong>Aber am Anfang steht die Wahrheit. Und dann kommt die Wahrheit, und dann kommt drittens die Wahrheit mit ihren Inhalten, dann kommt lange nichts, und dann kommt wieder die Wahrheit, dann kommen einige P\u00fcnktchen \u0096<\/strong>und dann kommt erst die Moral und die Bem\u00fchung darum von selber.Denn das Gute ist das, was der Wahrheit gem\u00e4\u00df ist. Und wenn Du die Wahrheit geschnappt hast, wirst Du automatisch nach dem Guten streben, ebenso aber auch nach dem Sch\u00f6nen, in Wahrheit Sch\u00f6nen.<\/p>\n<p>Und auch da ist eine ausgesprochene Katastrophe zu verzeichnen, gerade seit dem vorigen Jahrhundert. Das h\u00e4ngt mit dem Einbruch der modernen Technik zusammen, die selbstverst\u00e4ndlich ihrer ganzen Anlage und den Voraussetzungen des Menschengeistes gem\u00e4\u00df unbew\u00e4ltigt bleiben mu\u00dfte und immer unbew\u00e4ltigter bleibt.Es ist v\u00f6llig falsch zu sagen, &#8222;sie h\u00e4tte auch ihr Gutes gebracht&#8220;. Im Einzelfall, im Detail sicher, wenn man an medizinische Fortschritte in gewissem Rahmen und unter partiellen Aspekten denkt, gewi\u00df, aber aufs Ganze gesehen hat die industrielle Entwicklung, die Bildung der Industriegesellschaft, die Bildung der Massenmedien und die Bildung der Masse eine f\u00fcrchterliche seelische Zerr\u00fcttung, geistige Reduzierung und Einebnung und eine Verk\u00fcmmerung des Denkens, eine andauernde Ausschaltung der Elite mit sich gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir haben keine geistige Elite und keine geistige F\u00fchrung mehr. Es ist ein vom Menschlichen her gesehen trostloses Bild, das sich bietet. Und ich sage, gerade mit der Industriegesellschaft, mit der Massenflucht vom Lande in die Stadt usw. h\u00e4ngt zusammen, da\u00df in ganz gro\u00dfem Umfange der Kitsch seinen Einzug hielt. Man kann sagen, das neunzehnte Jahrhundert ist das Geburtsjahrhundert des allgemeinen Kitsches. Damals kamen Gassenhauer auf, Schlager, die Satiren. Von daher trat das Volkslied immer mehr zur\u00fcck. Mit Gewalt versuchte man immer wieder, altes Brauchtum zu pflegen. Aber das hat oft etwas Krampfhaftes und Gewaltsames an sich und schl\u00e4gt nicht durch.<\/p>\n<p>An die Stelle von alldem ist banale Sinnlosigkeit und r\u00fchrselige, falsche Sentimentalit\u00e4t getreten, Lebensl\u00fcge. Die Kitschromane kamen damals auf, die K\u00fcchenlieder und die falschen, b\u00f6sen Darstellungen heiliger Gegenst\u00e4nde und Personen. Ich sage mit Absicht &#8222;falsch und b\u00f6se&#8220;, nicht der urspr\u00fcnglichen Absicht der Urheber nach b\u00f6se, aber in ihrer Wirkung ausgesprochen b\u00f6se.<\/p>\n<p>Was die Darstellungen Jesu anbetrifft, so haben die einen Schaden angerichtet; man wird Jahrzehnte brauchen, um ganz langsam und planm\u00e4\u00dfig und mit intensiver M\u00fche diesen ungeheuren Schaden aus den Seelen auszurotten. Denn ein falsches Bild kann in seiner verheerenden Wirkung \u00fcberhaupt nicht \u00fcbertrieben werden. Was, meine Freunde, ist Sch\u00f6nheit? Zweifellos hat die Kunst mit der Sch\u00f6nheit zu tun. Aber was ist wahre Kunst, und wann stellt sie in g\u00fcltiger Weise Sch\u00f6nheit dar?<\/p>\n<p>Was ist \u00fcberhaupt in sich Sch\u00f6nheit? Ich habe es schon des \u00f6fteren gesagt. Es ist der Glanz des Wesens, also das Durchleuchten dessen, was in der Tiefe des Menschen und aller Dinge, in der Tiefe der Welt und des Seienden ist. Der Gedanke Gottes, der im Urgrund leuchtet, der wird transparent, durchsichtig. Man erkennt das Wesen der Welt und das Wesen der Dinge, Also: Kunst ist die Mitteilung, Sichtbarmachung, H\u00f6rbarmachung des Urgegebenen, des unaussprechlich Tiefen, des Unsagbaren. Kunst bringt zum Vorschein wahren Wert und das, was am Anfang gedacht wurde und was im ewigen Wort enthalten ist, aus dem alles hervorgeht. Das ist wahre Kunst.<\/p>\n<p>Zweifellos schildert nun Kunst auch das Gebrochensein, Vernichtung, das Zerrei\u00dfen, f\u00fcrchterliches Menschenschicksal. Die Kunst schildert den h\u00e4\u00dflichen Menschen und eine h\u00e4\u00dfliche Landschaft \u0096 wahre Kunst. Schildert sie deshalb die H\u00e4\u00dflichkeit als solche? \u0096 Sie l\u00e4\u00dft sich nicht schildern, denn die H\u00e4\u00dflichkeit als solche, wie das B\u00f6se, das Schlechte, das Falsche in sich, ist gleich Nichts. Das Nichts haftet dem Seienden an. H\u00e4\u00dflichkeit haftet also dem Seienden an, d.h. H\u00e4\u00dflichkeit bricht das urspr\u00fcngliche Wesensbild, H\u00e4\u00dflichkeit konterkariert das Aufleuchten des Wesens.<\/p>\n<p>Aber wenn sie in g\u00fcltiger Weise von der Kunst zum Ausdruck gebracht wird, d.h. nicht die H\u00e4\u00dflichkeit als solche, sondern das h\u00e4\u00dfliche Ding, die h\u00e4\u00dfliche Sache, den h\u00e4\u00dflichen, den zerst\u00f6rten, den gebrochenen Menschen, dann wird man in der Gebrochenheit: um so st\u00e4rker wissend werden von dem, was da verlorengegangen ist. Im Verlust wird das Verlorene deutlicher.<\/p>\n<p>Gerade im Verlust, und jeder wei\u00df es, wird auf einmal das Wesen dessen, an das man gewohnt war, viel offenbarer. Und darum wird auch durch die Kunst, wenn sie die Fragw\u00fcrdigkeit, die Bedrohtheit, die Verlorenheit, die Ausgeliefertheit des Menschenlebens, das schwere, tragische Schicksal, die tragischen, unausweichlichen Verflechtungen, in die ein Mensch geraten kann, schildert, gerade das deutlich, was da bricht und zugrunde geht. Und es leuchtet gerade durch das Gebrochene hindurch das Urspr\u00fcngliche, das Wesenhafte und Seinshafte um so deutlicher. In der Sehnsucht und in der Wehmut, die dadurch ausgel\u00f6st wird, wird das wache Wissen von dem eigentlichen Sein und Wesen um so st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Denken Sie nur an die realistischen Kreuzigungsdarstellungen. &#8222;Keine Sch\u00f6nheit ist an Ihm, keine Gestalt&#8220;, hei\u00dft es in den Prophetien. Und gerade wenn wir Ihn so sehen, den Inhaber, den Ur-Inhaber der Sch\u00f6nheit, des Lebens, sterbend entstellt, dann wird beim Anblick des Entstelltseins die wehm\u00fctige Sehnsucht wach, und wir werden im Mitleiden wissend.<\/p>\n<p>Das ist die Aufgabe der Kunst. Dann ist sie keine Lebensl\u00fcge. Dann kommt sie aus der Wahrheit und Wirklichkeit, aus der Tiefe und aus dem Anspruch der Tiefe. Und sie schafft Leiden und Mitleiden aus diesem geweckten Anspruch nach dem Leuchten des Urspr\u00fcnglichen. Das ist Sinn der Kunst, sei es im Roman, sei es im Gedicht, sei es im Bild, sei es in der Statue.<\/p>\n<p>Und sehen Sie: Sch\u00f6nheit \u0096 Glanz des Wesens. Ein Gesicht zu sehen, das Geist, Bedeutung, Feuer, Leidenschaft, K\u00fchnheit, \u00dcberwindung, Sieg ausstrahlt, ein solches Gesicht zu sehen ist etwas, was einem den R\u00fccken wieder strafft, was einem wieder Lebensmut gibt. &#8222;Ich habe ein Gesicht gesehen&#8220; \u0096 ich habe einen Menschen gesehen, in dem der Genius des Ewigen, des G\u00f6ttlichen durchscheint.<\/p>\n<p>Die Kunst, die menschengesichtige Darstellung hat die Aufgabe, das zum Ausdruck zu bringen und sei es in seiner Gebrochenheit und Entstelltheit, um das Mitleiden zu wirken, durch Mitleid wissend zu werden. Aber wie ist so ein Gesicht? Ich habe schon gelegentlich dar\u00fcber gesprochen. Sehen Sie, wenn ich mir so manche Fotografie eines gro\u00dfen K\u00fcnstlers in seiner Jugend anschaue, dann erschrecke ich manchmal \u00fcber das scheinbar flache, unbedeutende Gesicht. Man ist geradezu schockiert. Das Gesicht scheint nichts Besonderes zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p>Dann sieht man das Altersbild \u0096 zerfurcht \u0096und dann auf einmal entdeckt man die Bedeutung dieses Menschen. Auf einmal bricht durch, wie aus einer verbl\u00fchenden Rose, der ganze gro\u00dfe Glanz dessen, was vorher verborgen war \u0096 so ist es oft im Gesicht \u0096, oder der erste geniale Glanz eines jugendlichen Antlitzes wird durch die banalisierende, einebnende, ver\u00f6dende Gewalt des Alltags verspie\u00dfert und glatt und bedeutungslos. Wie oft erlebe ich das in meinen seelsorglichen Jahren!<\/p>\n<p>Es ist mir immer ein besonderes Entsetzen, ein Schock, wenn ich urspr\u00fcnglich verhei\u00dfungsvolle, junge Gesichter pl\u00f6tzlich sehe im Zeichen von Null und Nichtig. Da ist alles dahin. Da ist alles in Gewohnheit, eingeebnet, und die Eltern kommen jubelnd zu mir und sagen: &#8222;Ach, ich habe ihnen eine freudige Mitteilung zu bringen: Endlich ist sie bzw. er anst\u00e4ndig geworden&#8220; usw., usw. Aber ich bin ganz und gar nicht jubelnd und froh, sondern total traurig und denke: &#8222;Damals, als noch das Chaos waltete, da war noch Chance, denn aus dem Chaos k\u00f6nnen Sterne geboren werden. Aber jetzt ist er glatt, poliert, rund, brav, allt\u00e4glich, langweilig, pflichttreu.&#8220;<\/p>\n<p>Nun sagt die Frau Mama: &#8222;Nun ja, in die Kirche geht er ja nicht und religi\u00f6s ist er nicht weiter engagiert, aber Hauptsache anst\u00e4ndig.&#8220; \u0096 O weh! Das ist die Niederlage auf den Katalaunischen Feldern. Eben nicht &#8222;Hauptsache anst\u00e4ndig&#8220;, Hauptsache Feuer und Leidenschaft. Und man erlebt es hier und da, da\u00df im Alter der verblichene Glanz eines jungen Gesichtes wieder durchkommt durch die Kette erfochtener Siege und gewonnener Schlachten, durch die Gewalt des Leidens. Und das Leiden ist oft ein gro\u00dfer K\u00fcnstler, welcher den Marmorstein bebaut und behaut. &#8222;Bildhauer Gott, schlag zu! Ich bin der Stein&#8220;, l\u00e4\u00dft Konrad Ferdinand Meyer in einem Gedicht den Michelangelo sagen.<\/p>\n<p>Sehen Sie, das ist Kunst! Und wir werden es vertiefen, weil das in einer Predigt nicht getan ist, da\u00df dadurch nicht ein anderes Bewu\u00dftsein erzeugt wird, aber das Bed\u00fcrfnis bei Ihnen, ein anderes Bewu\u00dftsein und einen anderen Anspruch in sich hervorzubringen. Sehen Sie, gerade die Darstellungen im vorigen Jahrhundert, die sogenannten k\u00fcnstlerischen Darstellungen Jesu, das waren Serienherstellungen, Klischeeherstellungen, weithin in Fabriken hergestellt, die Buddhas und Herz-Jesu Bilder und Marienbilder in Serienproduktion verkauften. Die Buddhas kamen nach Indien, und europ\u00e4ische Reisende nahmen sie dann von Indien wieder mit nach Hause im Wahn, sie h\u00e4tten indische Kunst mitgebracht, In Wirklichkeit war es Made in Germany.<\/p>\n<p>Das war etwas ganz Entsetzliches: Diese Klischeebilder waren nach Art eines Anspruches gefertigt, wie er bei den sogenannten Miss-Wahlen zum Ausdruck kommt, wenn die Miss Germany oder die Miss Universum gew\u00e4hlt wird: nach Ebenm\u00e4\u00dfigkeit genau gemessen, glatte Haut, wohl proportionierte Z\u00fcge usw. \u0096 aber Nullgesichter. (\u00dcbrigens nicht alle\u00a0 solche Sch\u00f6nheitsk\u00f6niginnen haben Nullgesichter. Das wei\u00df ich auch). Aber danach wird nicht gesehen, ob der Geist spr\u00fcht oder nicht, sondern vor allem glatt m\u00fcssen die Gesichter sein.<\/p>\n<p>Und diese Vorstellung, so m\u00fcsse man Jesus darstellen \u0096 oval, glatt, mit einem Nullgesicht, mit einem wohlgeformten B\u00e4rtchen\u0096, hat in den Seelen vieler schon von Jugend an unbewu\u00dft die Vorstellung hervorgerufen, so weibisch \u0096 nicht weiblich (weiblich ist etwas Herrliches), sondern weibisch \u0096, so nichtssagend, so unm\u00e4nnlich, so ohne Ausstrahlung mu\u00df Jesus wohl ausgesehen haben.<\/p>\n<p>Und das lockt nat\u00fcrlich keinen gesunden Hund hinterm Ofen hervor. Und darum sind gerade gebaute Menschen, rechtwinklig gebaute junge Menschen oft, sie wissen selbst nicht warum, ohne Interesse f\u00fcr diese Bereiche, weil unbewu\u00dft in ihnen, wenn sie &#8222;Jesus&#8220; h\u00f6ren, dieses schaurig nichtssagende, feminine Gesicht vor ihnen auftaucht. Was das f\u00fcr einen Schaden angerichtet hat, ist unabsehbar \u0096 vom Jesusknaben ganz zu schweigen, diesem pathologischen Gebilde von einem Jungen mit dem Nachthemdchen, mit einem s\u00fc\u00dfen M\u00e4dchenangesicht, eine Palme tragend.<\/p>\n<p>Eltern, die so einen Jungen in die Welt setzen, werden wohl mit Schrecken alsbald dieses Gebilde zum Nervenarzt bringen und fragen, ob da noch was auszurichten w\u00e4re. Und das bietet man dann als Vorbild f\u00fcr Bravheit Kindern an, die von ihrem gesunden Instinkt her spielen und raufen und sportlich sein wollen usw. und denen es nicht darauf ankommt, mit wilder Geb\u00e4rde Grenzen zu \u00fcberschreiten, was mit S\u00fcnde rundherum nichts zu tun hat. Bravheit ist in sich kein moralischer Wert, sondern f\u00fcr sich gesehen ein Element des Langweiligen. Das alles mu\u00df eliminiert werden!<\/p>\n<p>Und das war jahrhundertelang nicht so. Da gab es noch keine primitiven Menschen. sondern nur einfache Menschen. Der einfache Mensch ist \u00fcbrigens etwas Herrliches \u0096 herrlich. Aber der primitive Mensch ist etwas Schreckliches. Schauen Sie sich die Kathedralen des Mittelalters an, schauen Sie sich die Gesichter des Christus an, in Stein gehauen! Was ist das f\u00fcr eine Gewalt, die aus diesen Gesichtern herausstrahlt, die Ikonen, die Christusgesichter in der Apsis der Basiliken usw., usw. Durch Jahrhunderte, in der Fr\u00fchzeit und im hohen Mittelalter und noch bis in die beginnende Neuzeit hinein, war die wahre Kunst selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr jeden Menschen da. Sie sangen Volkslieder. Und die Volkslieder sind Elemente h\u00f6chster Kunst, im dichterischen wie im musikalischen, bis dann auf einmal im neunzehnten Jahrhundert alles zusammenbrach und man von Seiten der Hirten und Lehrer und Priester meinte, das sei ja alles gar nicht so wichtig, Hauptsache sei das fromme Herz, das durch solchen Anblick zu Anmutungen bewegt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Welch ein Irrtum, welch ein grausamer, zerst\u00f6rerischer Irrtum, der den Massenabfall mitbewirkt hat! Nun werden einige kommen und sagen: &#8222;Na, das ist aber immer noch besser als diese modernen Verr\u00fccktheiten, nicht wahr, wo man z.B. einen Orang-Utan am Kreuz sieht usw. und wo man \u00fcberhaupt nicht wei\u00df, wo man dran ist.&#8220; Ich m\u00f6chte das bezweifeln. Wenn einer eine moderne Verr\u00fccktheit sieht, wei\u00df er wenigstens gleich, es ist verr\u00fcckt. Aber wenn einer Kitsch sieht, meint er, das sei doch immerhin sch\u00f6n. Und vor allem wenn es bunt ist und strahlt und drum herum ein Kranz von Gl\u00fchbirnen ist, so wie im Jahrmarkt, dann mu\u00df es doch sch\u00f6n sein, nicht wahr, dann ist es doch immerhin etwas Anmutendes. Das ist falsch. Das ist kein Vorwurf. An niemanden ist das irgendein Vorwurf, sondern es ist eine Diagnose. Und wir m\u00fcssen uns hier wandeln.<\/p>\n<p>Vieles mu\u00df gewandelt werden, gerade in unseren Reihen, damit, wenn die Stunde X schl\u00e4gt, der Heilige Geist in der zusammengeschrumpften Kirche eine Phalanx hat solcher, die bereitstehen, nun wirklich etwas Zukunftstr\u00e4chtiges zu bauen vom Geiste her. Denn der Geist ist das Senfkorn, das alles durchdringen mu\u00df, der Sauerteig, der alles durchs\u00e4uern mu\u00df, der Keim, der wachstumsf\u00e4hig ist \u0096 nicht zu verwechseln mit dem Sauerteig des Schlechten.<\/p>\n<p>Wenn ich n\u00e4mlich das Gute, das Wahre, Wesenhafte mit dem Schlechten und Falschen vermische, wird immer das Falsche siegen. Ein Tr\u00f6pfchen Gift vergiftet zwei Liter gute Suppe. Nicht die Mischung mit dem Schlechten, sondern die\u00a0 Kraft, das vorgegebene Material, das in sich gut ist, ganz zu erneuern und zu verwandeln und zu durchdringen, das ist die Aufgabe im Wahren, im Guten und \u0096ohne Dispens im Sch\u00f6nen. AMEN<\/p>\n<address>Auszug aus einer Predigt von Pfarrer Hans Milch, 1982<br \/>\n<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Ich sprach vom &#8222;Moralismus&#8220; \u0096, da\u00df man f\u00e4lschlicherweise immer die Moral an den Anfang setzte, die Verhaltensweisen als das Entscheidende ansah, das Gute rangieren lie\u00df vor der Wahrheit, da\u00df sehr viel Kitsch einzog, da\u00df der Wert und die Notwendigkeit des Sch\u00f6nen allzu gering geachtet wurden: man glaubte, all dies w\u00fcrde 1962 \u00fcberwunden. &#8222;Aha&#8220;, sagten &hellip; <a href=\"http:\/\/omnia.alte-messe-bistum-speyer.de\/?p=2904\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Moralismus oder Moralit\u00e4t<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,6],"tags":[47,256,257],"class_list":["post-2904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bewegendes","category-spirituelles","tag-milch","tag-moralismus","tag-schonheit"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.8 - 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