Verlust und Zuversicht

„Der große und traurige Irrtum Einiger, sogar der Guten, ist es zu denken, dass diejenigen uns verließen, die der Tod von uns genommen hat. Sie verlassen uns nicht. Sie bleiben.
    Wo befinden sie sich? Etwa im Schatten? Oh nein, wir sind es, die im Schatten sind. Jene aber sind an unserer Seite, unter einem Schleier, doch anwesender  als je zuvor. Wir sehen sie nicht, da ein dunkler Nebel uns umschließt, sie aber sehen uns. Ihre Augen, schön und voll von Glanz, sind auf unsere, voll von Tränen, gerichtet. Welch unbeschreiblicher Trost, die Toten sind unsichtbar; sie sind nicht abwesend.
    Oft dachte ich daran, was die Trauernden am besten trösten könnte. Es ist dies: Der Glaube an die wirkliche und ununterbrochene Gegenwart unserer geliebten Verstorbenen. Es ist die klare und deutliche Eingebung, dass sie durch den Tod weder ausgelöscht, noch abwesend, nicht einmal fern von uns, sondern lebendig, in unserer Nähe, glücklich und verklärt sind, ohne durch diesen herrlichen Wandel etwas von der Feinheit ihrer Seele, der Sanftheit ihres Herzens oder jener Vorzüge, die sie liebenswürdig machten, verloren zu haben. Im Gegenteil, sie sind in all diesen tiefen und milden Empfindungen um hundert Ellen gewachsen. Der Tod ist, für die Guten, der triumphale Aufstieg in die Welt des Lichts, der Kraft und der Liebe. Jene, die bis dahin nur gewöhnliche Christen waren, werden vollkommen; jene, die nur schön waren, werden gut und jene, die gut waren, werden verehrungswürdig!“

Msgr. Bougaud, katholischer Bischof 19. Jhdt.