Chur: Erstmals zwei Personalpfarreien für den außerordentlichen Ritus

Der Churer Bischof Vitus Huonder erhebt zwei Zentren für Gläubige, die dem außerordentlichen Ritus verbunden sind, zu Personalpfarreien.

Zwei Zentren des Bistums Chur, welche seit 35 Jahren den Ritus in der außerordentlichen Form pflegen, wurden von Bischof Vitus Huonder in den Rang von Personalpfarreien erhoben.

Das Communiqué des Bistums Chur, „Bischof Vitus Huonder errichtet Personalpfarreien“, im Wortlaut:

Seit über 35 Jahren existieren im Bistum Chur zwei Zentren für die Gläubigen, die der ausserordentlichen Form des römischen Ritus verbunden sind. Dort wird in einem Umfang Seelsorge betrieben, wie es vielen offiziellen Pfarreien entspricht, jedoch ohne entsprechende Regelung. Dieses unbefriedigende Dauerprovisorium möchte der Bischof von Chur beenden und kirchenrechtlich Klarheit schaffen. Deshalb hat er per 22. Februar 2012 zwei Personalpfarreien errichtet. Die Personalpfarrei Maria Immaculata in Oberarth wird geschaffen für die Gläubigen aus der Urschweiz, die Personalpfarrei Hl. Maximilian Kolbe in Thalwil für die Gläubigen aus dem Kanton Zürich.

Die Zugehörigkeit zur Personalpfarrei ist nicht wie bei der klassischen Pfarrei primär vom Wohnsitz abhängig, sondern durch die Mitgliedschaft in einer Gruppe, die sich durch Besonderheiten in Ritus, Sprache oder Nationalität auszeichnet. So ist etwa die Italienermission in den Städten Zürich und Winterthur ebenfalls als Personalpfarrei organisiert.

Das Motu proprio “Summorum Pontificum” Papst Benedikts XVI. vom 7. Juli 2007  sieht vor, dass vom Bischof für die Gläubigen, die der ausserordentlichen Form des Römischen Ritus verbunden sind, Personalpfarreien errichtet werden können. In verschiedenen Diözesen, etwa in Rom, Blois, Strassburg, Quebec, Denver, Colorado Springs oder Dallas wurden bereits solche Personalpfarreien errichtet.

Meine Glückwünsche und Gottes reichen Segen an alle Gläubigen der neuen Pfarrei !

Quelle

Purgatorium

Dante Fegefeuer

Liebe Mitbrüder, Brüder und Schwestern im Herrn,

Für Martin Luther war das  Fegfeuer ein Gespenst des Teufels. Diese Ansicht mag damit zusammenhängen, dass  zu seiner Zeit die Lehre der Kirche über das Fegfeuer verdunkelt und verworren  dargestellt wurde, obwohl es schon als Dogma vorlag. Das Konzil von Trient  (1545-1563) hat unter anderm auch darauf reagiert und am 3. Dezember 1563 in  einem Dekret folgendes festgehalten: “Da die katholische Kirche, vom Heiligen  Geist belehrt, aufgrund der heiligen Schriften und der alten Überlieferung der  Väter auf den heiligen Konzilien und zuletzt auf diesem ökumenischen Konzil  gelehrt hat, es gebe einen Reinigungsort (purgatorium) und den dort  festgehaltenen Seelen werde durch die Fürbitte der Gläubigen, vor allem aber  durch das wohlgefällige Opfer des Altares geholfen: so gebietet das heilige  Konzil den Bischöfen, sorgsam darum bedacht zu sein, dass die von den heiligen  Vätern und den heiligen Konzilien überlieferte gesunde Lehre vom Reinigungsort  von den Christgläubigen geglaubt, festgehalten, gelehrt und überall verkündet  werde.”

Das Konzil fügt sodann die Worte bei: Sie – die Bischöfe – sollen “nicht  zulassen, dass Unsicheres oder was am Schein der Falschheit krankt, unters  Volk gebracht und behandelt wird. Das aber, was zu einer gewissen Neugierde oder  zum Aberglauben gehört oder nach schändlichem Gewinn schmeckt, sollen sie als  Ärgernis und Anstoß für die Gläubigen verbieten.”

Die Lehre der Kirche über das  Fegfeuer, das Purgatorium, ist eine Lehre de fide, ein Dogma, eine  unveräußerliche Glaubenswahrheit. Je mehr wir uns in diese Lehre vertiefen,  desto mehr wird uns bewusst, dass die Wirklichkeit des Purgatoriums nicht ein  “Gespenst des Teufels” ist, sondern ein Ausdruck und Erweis von Gottes  Barmherzigkeit und Liebe. Denn, wie wir es in der Lesung aus der Offenbarung des  Johannes eben gehört haben, werden die Toten von ihren Werken begleitet (Offb  14,13). Das, was der Mensch in diesem Leben getan hat, wirkt über dieses Leben  hinaus. Natürlich meint Johannes damit die guten Werke, welche von den Mühen  dieses Lebens Ruhe verschaffen. Ergänzend dazu stehen die Worte des Apostels  Paulus aus dem Zweiten Korintherbrief (5,6-10). Er spricht vom Richterstuhl  Christi, vor dem wir offenbar werden müssen, damit jeder seinen Lohn empfängt  für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat. Es begleiten uns  somit nicht nur die guten sondern auch die bösen Werke. Der Mensch wird auf  Grund dieser Werke gerichtet.

Es ist nun trostvoll zu wissen, dass für den  Mensch auch vor dem Richterstuhl Christi nicht alles verloren ist. Der Herr  offenbart auch da seine Barmherzigkeit, die sich eben darin erweist, dass die  Seele, die noch von der Sünde gezeichnet, die aber in Reue über das Böse in  ihrem Leben aus der Welt geschieden ist, die Gnade der Läuterung empfängt. Das  ist auch der Grund, weshalb die Kirche seit ihren Anfängen für die Verstorbenen  betet. Würde diese Gnade der Läuterung nicht gewährt, wäre das Gebet für die  Verstorbenen unnütz. Da die Kirche aber durch den Heiligen Geist geführt und  geleitet wird, ist diese Lehre, die ihre Grundlage im Alten Testament findet  (vgl. 2 Makk 12,45), eine sichere Lehre, aber ebenso eine trostvolle Lehre.

Zum  Schaden der Seelen wird die Lehre der Kirche über das Purgatorium heute oft in  den Hintergrund gedrängt, so dass das Gebet und das Messopfer für die  Verstorbenen vernachlässig werden. Wir dürfen nicht in einer unheilvollen  Oberflächlichkeit die Meinung vertreten, das Totengedenken müsste zu einer  Auferstehungsfeier werden, und das Fürbittgebet für die Verstorbenen wäre  durch den Osterjubel zu ersetzen. Der Tod soll im Licht der Auferstehung  betrachtet werden, und wir müssen auch im Angesicht des Todes auf den  Auferstandenen blicken, da wir zur Auferstehung mit ihm bestimmt sind. Doch eben  weil wir zur Auferstehung bestimmt sind, sind wir zur Heiligkeit bestimmt, und  die Heiligkeit wiederum erfordert den sündenlosen Zustand der Seele, worüber nur  Gott urteilen kann. Uns ist es dagegen aufgetragen für die Lebenden und für die  Verstorbenen zu beten, damit sie, von Sünde und Schuld befreit, das Ziel  erreichen, von dem der Herr eben im Evangelium gesprochen hat: “Denn es ist der  Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige  Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag” (Joh 6,40). In diesem  Willen des Vaters finden wir den letzten Grund für das Gebet zur Heiligung der  Seelen im Fegfeuer und zu ihrer Befreiung aus dem zustand der Läuterung.

Möge  der Herr die Seelen unserer Verstorbenen in den Chor der Heiligen aufnehmen und  ihnen Anteil am ewigen Lobe Gottes schenken, an jenem dreifachen Sanctus, das  die Engel in Ehrfurcht und Liebe in ununterbrochenem Gesang bekennen. Amen.

Quelle: „Homilie von Bischof Vitus anlässlich der Jahrzeit aller Churer Bischöfe am 10. Februar 2012“

Kurze Erzählung vom Antichrist (01)

Wladimir Solov’ev

Kurze Erzählung vom Antichrist

in Drei Gespräche (Einleitung),  erschienen 1899

Wladimir Solov’ev (1853–1900) war russischer Philosoph, Publizist und Dichter.

Die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ ist eine dramatische „ökumenische Apokalypse“. Die drei großen Flügel der Christenheit finden im Angesicht der Herrschaft des personifizierten Bösen zueinander. Katholiken (Papst Petrus II.), Orthodoxe (Starez Johannes) und die Protestanten (Professor Pauli) überwinden in einer endzeitlichen Konfrontation, die sich an die Johannesapokalypse der Bibel anlehnt, ihre Trennungen. Auch die Juden stellen sich dem Bösen entgegen. Der Autor wurde nach dem Erscheinen dieses Textes von seinen eigenen nationalreligiösen orthodoxen Studenten für verrückt erklärt. Sie irrten sich: Entstanden war ein Text der Weltliteratur, der bis heute nicht nur Christen bewegt. Schonungslos wird die Käuflichkeit der meisten Menschen – auch der religiösen – offen gelegt.

Vorwort

(Wladimir Solov’ev, 27. Februar 1900)

Diese Erzählung rief in der Gesellschaft wie in der Presse nicht wenig Missverständnisse und Fehldeutungen hervor, deren Hauptursache ganz einfach die unzureichende Kenntnis der im Wort Gottes und in der kirchlichen Tradition enthaltenen Hinweise auf den Antichrist ist.

Die innere Bedeutung des Antichrist als des religiösen Usurpator, der durch ‚Raub‘ und nicht durch eine geistige Tat die Würde des Sohnes Gottes erwirbt, seine Verbindung mit dem Lügenpropheten und Thaumaturgen, der die Menschen durch tatsächliche und durch lügenhafte Zeichen verführt, die dunkle und im besonderen Sinne sündige Herkunft des Antichristen selbst, der durch Mitwirkung der Macht des Bösen sich die äußere Stellung des Weltmonarchen erwirbt, der allgemeine Ablauf und das Ende seiner Tätigkeit, schließlich einige für ihn und für den Pseudopropheten charakteristische Einzelheiten wie zum Beispiel, daß dieser ‚Feuer vom Himmel fallen läßt‘, die Tötung der beiden Zeugen Christi und die Ausstellung ihrer Leiber auf den Straßen Jerusalems und so weiter – all das findet sich im Worte Gottes und in der ältesten Überlieferung.

Für die Verbindung der Ereignisse und auch für die Anschaulichkeit der Erzählung wurden Einzelheiten verwendet, die entweder auf historischen Erwägungen begründet oder der Einbildungskraft entsprungen sind. Zügen dieser Art – etwa den zum Teil spiritistischen, halb ins Gebiet der Taschenspielerkunst gehörenden Stückchen des Weltreich-Magiers mit unterirdischen Stimmen, Feuerwerk und so weiter – messe ich natürlich keine ernsthafte Bedeutung bei und konnte von meinen ‚Kritikern‘ wohl eine gleiche Betrachtung dieser Dinge erwarten. Was das zweite, sehr wesentliche Moment meiner Erzählung betrifft – die Charakteristik der drei personifizierten Bekenntnisse auf dem ökumenischen Konzil –, so konnte sie nur von denjenigen bemerkt werden, die der Geschichte und dem Leben der Kirche nicht fremd gegenüberstehen.

Der in der Offenbarung gegebene Charakter des Pseudopropheten und seine dort in aller Klarheit angezeigte Bestimmung – die Menschen zugunsten des Antichrist zu verblenden – machen es notwendig, ihm allerlei Stückchen der Zauberei und der Taschenspielerkunst zuzuschreiben. Zuverlässig ist bekannt, „daß sein Hauptwerk ein Feuerwerk sein wird“: „Und tut große Zeichen, daß er auch machet Feuer vom Himmel fallen vor den Menschen“ (Apokalypse des Johannis; 13,13). Die mechanisch-magische Technik dieser Vorgänge können wir nicht im voraus erkennen, sondern nur davon überzeugt sein, daß sie in 200 bis 500 Jahren die heutige weit übertroffen haben wird; was aber bei einem solchen Fortschritt einem solchen ‚Wundertäter‘ möglich sein wird – darüber möchte ich kein Urteil abgeben. Einige konkrete Züge und Einzelheiten meiner Erzählung wurden den wesentlichen und unbedingt glaubwürdigen Angaben nur zum Zweck der Veranschaulichung beigefügt, um selbige nicht als bloße Schemata dastehen zu lassen.

In allem, was ich über den Panmongolismus und den asiatischen Überfall auf Europa sage, muß man gleichfalls das Wesentliche von den Teilen unterscheiden. Doch auch das zentrale Faktum besitzt hier natürlich nicht die absolute Glaubwürdigkeit, wie sie der künftigen Erscheinung und dem Schicksal des Antichrist und seines Pseudopropheten zukommt. In der Darstellung der mongolisch-europäischen Beziehungen ist nichts direkt der Heiligen Schrift entnommen, wenn sich hier auch für vieles ausreichende Anhaltspunkte finden lassen. Im allgemeinen ist diese Geschichte eine Kette von Möglichkeiten mit gewisser Wahrscheinlichkeit, die auf gegeben Tatsachen beruhen. Ich persönlich glaube, daß diese Wahrscheinlichkeit der Sicherheit recht nahe kommt. Das scheint nicht bloß mir so, sondern auch anderen gewichtigeren Persönlichkeiten.

Ich mußte den Vorstellungen vom künftigen Mongolensturm verschiedene Einzelheiten hinzufügen, um der Erzählung einen Zusammenhang zu geben. Für diese kann ich mich nicht persönlich verbürgen. Vor deren Mißbrauch habe ich mich gehütet. Es war mir wesentlich, das bevorstehende furchtbare Aufeinandertreffen zweier Welten so real wie möglich darzustellen und eben dadurch die dringende Notwendigkeit des Friedens und der aufrichtigen Freundschaft zwischen den europäischen Nationen deutlich vor das Bewußtsein zu rücken.
Wenn ich auch das Ende aller Kriege vor dem Eintreten der endzeitlichen Geschehnisse nicht für möglich halte, so sehe ich doch in der engsten Annäherung und der friedlichen Zusammenarbeit aller  christlichen  Staaten und Völker einen nicht bloß möglichen, sondern notwendigen und sittlich verpflichtenden Weg zur Rettung der christlichen Welt vor niederen, elementarischen Gewalten, die sie zu verschlingen drohen. …

Die historischen Kräfte, von der die Masse der Menschen beherrscht wird, müssen noch aufeinander treffen und sich vermischen, bevor diesem sich selbst zerfleischenden Tier ein neues Haupt erwächst — die weltvereinigende Kraft des Antichrist, der ‚laute und große Worte sprechen‘ (Ap.; 13,5) und zur Zeit seines endgültigen Erscheinens die glänzende Hülle des Guten und der Wahrheit über das Geheimnis der äußersten Gesetzlosigkeit werfen wird, um – wie die Schrift sagt –, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten zu verführen zum großen Abfall (Mk; 13,23). Im voraus auf diese trügerische Maske hinzuweisen, unter der sich der Abgrund des Bösen verbirgt, war meine höchste Absicht, als ich dieses Buch verfaßte.

Ich empfinde, daß mein Werk auch in dieser verbesserten Form verschiedene Mängel hat, aber ich spüre auch, daß die Gestalt des bleichen Todes nicht mehr fern ist, die mir in stiller Weise rät, den Druck dieses Buches nicht auf unbestimmte und unsichere Zeit zu verschieben(1). Wird mir noch Zeit für neue Arbeiten geschenkt, so auch für die Vervollkommnung von früheren. Wo nicht, so habe ich doch in hinreichend klaren, wenn auch kurzen Zügen auf den bevorstehenden Ausgang des Kampfes zwischen Gut und Böse hingewiesen, und ich lasse die kleine Arbeit hinausgehen mit dem dankbaren Gefühl einer erfüllten Pflicht.

(Fortsetzung folgt)

Die Serie


 

(1) Solovjev starb am 31. Juli 1900.
OD: Vladimir Solovjev starb am 31.07.1900, erst 47jährig. –  Er warnt hier zwar nicht aus vordergründig ökologischen Motiven, aber immerhin erkannte er schon damals, daß sich was anbahnt(e), was größer war, als die bisherigen Staatenkriege. – In Worten Alexander Herzens (gest. 1870) sinngemäß: „Ich befürchte für das nächste Jahrhundert einen Dschingis Khan mit einem Telegrafen.“