Das entfesselte Evangelium

Nach einem Vortrag von Johannes Hartl 2018

Stellt euch vor, es gäbe ein Land, in dem alle Menschen arm sind. Ein guter König hätte einen Sack mit sehr kostbaren Münzen ausgeteilt und bereits eine solche Münze würde einen Menschen komplett reich machen können. Der König ist so großzügig, dass er diese Münzen freigiebig austeilt. Und stellt euch vor, der gleiche König hätte einen Gegenspieler, der nicht will, dass die armen Leute diese echten Münzen bekommen und reich werden. Deswegen produziert er Plastikmünzen, die gar nichts wert sind, aber den echten Münzen sehr ähnlich sehen. Von jenen produziert er noch viel mehr und streut sie unters Volk. Was würde passieren? Das entfesselte Evangelium weiterlesen

In der Dramatik zwischen Leben und Tod

In der Dramatik zwischen Leben und Tod – Die Erweckung des Lazarus

Es ist ein Geschehen voller innerer Dramatik, das sich hier abspielt: Jesus steht kurz vor seinem eigenen Tod und entscheidet, nach Judäa, nach Bethanien zu Marta und Maria zu gehen, die ihn haben rufen lassen, und die Jünger stehen jetzt schon vor der Entscheidung, ob sie mit ihm gehen werden, dem Tod entgegen.
Jesus steht dann vor dem Grab des toten Freundes, den er liebt, wie es wörtlich heißt, und weint. Der Text spricht davon, dass er im Inneren erbebt, sozusagen gegen den Tod aufschnaubt, der den Menschen mit sich fortgerissen hat. Bevor Jesus in göttlicher Vollmacht dem Tod gebietet, wenn er ruft: „Lazarus, komm heraus!“, will er selbst den Schmerz und den Tod durchleiden. Er steht vor dem Grab und weint um den geliebten Freund, wie der Vater im Himmel um den Menschen weint. So wie Gott den Menschen sucht, wenn er Adam ruft und fragt: „Adam, wo bist du?“, so fragt auch Jesus „Wo habt ihr ihn hingelegt?“. Und Maria antwortet mit den erstaunlichen Worten: „Komm und sieh!“. Es sind die Worte, die schon am Anfang von Jesu Wirken standen, als er die Jünger berufen hat. Hier ist es Maria, die gerufen wird. Sie soll mit ihm in Grabkammer hinein gehen, damit der Tote ins Leben zurückkehren kann.

Text: Veronika

Medien-Datei  (audio/mp3, 27.9 MB)

Wenn uns die Augen aufgehen…

Es ist nicht nur der Blinde, der nicht sehen kann, es sind auch die Jünger, die unmittelbar vor dieser Heilung nicht begreifen, was Jesus tut und wer Jesus ist. Auch an einer anderen Stelle folgt dem Unverständnis der Apostel gleich die Heilung des blinden Bartimäus.
So ist es mehr als eine Blindenheilung, die hier an dem Blindgeborenen geschieht. Auch der Geheilte weiß anfangs, als er von den Schriftgelehrten befragt wird, nicht, wer dieser Mann ist, der ihn geheilt hat und er antwortet: „Ich weiß nur, dass er Jesus heißt.“ Erst draußen,  nachdem er hinausgeworfen wurde, sozusagen im Außerhalb, trifft Jesus ihn wieder, oder besser übersetzt, „findet er ihn“, und auch der Geheilte findet Jesus, als er bekennt: „Ja, ich glaube an den Menschensohn.“

Text: Veronika


Medien-Datei (audio/mp3, 31.6 MB)

Von der Würde des Menschseins

Von der Würde des Menschseins

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Text des Evangeliums
Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?
Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
(Lk 12,42f)

Jeder Mensch ist mit seinen vielfältigen Gaben und Talenten auch immer Gabe für den anderen, sogar so sehr, dass er ihm „Nahrung“ zum Leben geben kann. Es macht die Würde des Menschseins aus, dass er anderen etwas von der Liebe mitteilen kann, aus der er selber lebt und die er selbst erfahren hat. Aufgabe für jeden von uns ist es, immer feinfühliger und hellhöriger auf die Stimme Gottes zu werden, damit wir spüren, was der andere braucht.

Medien-Datei (audio/mp3, 29.0 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Vertrauen auf Jesus Christus

Christen, also Menschen, die am Jesus Christus glauben, wissen selbst, dass es mit ihrem Vertrauen auf den Herrn gar nicht so weit her ist, wie es sein könnte oder sein sollte. Dazu eine kleine Geschichte:

Ein Wanderzirkus gastierte einmal in einer kleinen Stadt. Einen Tag vor der Aufführung spannten die Zirkusleute ein Seil vom Kirchturm zum Rathausturm quer über den Marktplatz.
Der Hochseilartist des Zirkus machte darauf seine Übungen. Er balancierte von der Kirche zum Rathaus und zurück hoch über dem Platz, erst mit, dann ohne Stange. Später jonglierte er sogar mit drei Keulen auf dem Seil hoch über der staunenden Menschenmenge.
Zu guter Letzt holte er sogar eine Schubkarre und fuhr damit auf dem Seil hin und zurück. Die Leute waren außer sich und jubelten ihm zu und klatschten.
Nach seinem Training kam er zu ihnen herunter und sagte: „Glaubt ihr, dass ich auch mit einer Person in der Karre ebenfalls sicher auf dem Seil fahre?“.
„Ja“, riefen da die Leute, „das kannst du sicher auch!“
„Gut“, sagte er und ging auf einen jungen Mann zu, „dann kommen Sie doch mit mir auf das Seil – die Leute wollen bestimmt auch dieses Kunststück sehen.“
„Oh nein!“, antwortete der junge Mann, „ich will nicht da hoch!“. Die anderen Anwesenden hatten auch die Hosen voll und wichen ängstlich zurück.
Da trat plötzlich ein kleiner Junge hervor und rief: „Aber ich traue mich!“ Er stieg mit dem Akrobat auf den Kirchturm und ließ sich im Schubkarren über die Köpfe der Leute hinweg hin und her fahren. Die Zuschauer, die bereits wieder ihre gute Laune hatten applaudierten begeistert.
Als der kleine Junge wieder zu ihnen auf den Marktplatz kam, klatschte die Menge mehr dem Jungen als dem Zirkus-Mann zu und jemand sagte zu dem Kleinen: „Mensch, bist Du mutig, das hätte ich mich nie getraut.
„Wieso“, entgegnete da der kleine Junge und schaute auf den Artisten, „das ist doch mein Papa!“