Licht des Himmels umkleidet dich…

Licht des Himmels umkleidet dich…

Die Worte des Engels an Maria sind die gleichen göttlichen Imperative, die auch über dieser Heiligen Nacht von Weihnachten stehen: „Freue dich!“ und „Fürchte dich nicht!“. Es sind die Worte, die auch die Hirten von den Engeln hören, und die in dieser Nacht Wirklichkeit werden. Sie werden in die Nacht hinausgerufen und sie laden die Hirten in die Freude des Himmels hinein ein: „Fürchtet euch nicht! Ich verkünde Euch eine große Freude!“
Die Hirten wurden erfasst vom Licht des Himmels, das sie umstrahlte, oder, wie es besser heißt, sie umkleidete. Und dieses Licht, das den Menschen in eine göttliche Barmherzigkeit und in eine göttliche Geborgenheit einhüllt, hat die Kraft, unsere ganze Vergangenheit zu erleuchten und uns zuinnerst zu verwandeln. Es ist das Licht, von dem es in der Osternacht dann heißt: „Licht des großen Königs umleuchtet dich!“

Medien-Datei Christmette (audio/mp3, 22.1 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Traditionelles Weihnachten

 

Unsere Kirche feiert verschiedene Feste, welche zum Herzen dringen. Man kann sich kaum etwas Lieblicheres denken als Pfingsten und kaum etwas Ernsteres und Heiligeres als Ostern. Das Traurige und Schwermütige der Karwoche und darauf das Feierliche des Sonntags begleiten uns durch das Leben.

Eines der schönsten Feste feiert die Kirche fast mitten im Winter, wo beinahe die längsten Nächte und kürzesten Tage sind, wo die Sonne am schiefsten gegen unsere Gefilde steht, und Schnee alle Fluren deckt, das Fest der Weihnacht.

Wie in vielen Ländern der Tag vor dem Geburtsfeste des Herrn der Christabend heißt, so heißt er bei uns der heilige Abend, der darauf folgende Tag der heilige Tag und die dazwischen liegende Nacht die Weihnacht. Die katholische Kirche begeht den Christtag als den Tag der Geburt des Heilands mit ihrer allergrößten kirchlichen Feier, in den meisten Gegenden wird schon die Mitternachtstunde als die Geburtsstunde des Herrn mit prangender Nachtfeier geheiligt, zu der die Glocken durch die stille winterliche Mitternachtluft laden, zu der die Bewohner mit Lichtern oder auf dunkeln wohlbekannten Pfaden aus schneeigen Bergen an bereiften Wäldern vorbei und durch knarrende Obstgärten zu der Kirche eilen, aus der die feierlichen Töne kommen, und die aus der Mitte des in beeiste Bäume gehüllten Dorfes mit den langen beleuchteten Fenstern emporragt.

Mit dem Kirchenfeste ist auch ein häusliches verbunden. Es hat sich fast in allen christlichen Ländern verbreitet, daß man den Kindern die Ankunft des Christkindleins – auch eines Kindes, des wunderbarsten, das je auf der Welt war – als ein heiteres glänzendes feierliches Ding zeigt, das durch das ganze Leben fortwirkt und manchmal noch spät im Alter bei trüben schwermütigen oder rührenden Erinnerungen gleichsam als Rückblick in die einstige Zeit mit den bunten schimmernden Fittichen durch den öden traurigen und ausgeleerten Nachthimmel fliegt.

Man pflegt den Kindern die Geschenke zu geben, die das heilige Christkindlein gebracht hat, um ihnen Freude zu machen. Das tut man gewöhnlich am heiligen Abende, wenn die tiefe Dämmerung eingetreten ist. Man zündet Lichter und meistens sehr viele an, die oft mit den kleinen Kerzlein auf den schönen grünen Ästen eines Tannen- oder Fichtenbäumchens schweben, das mitten in der Stube steht. Die Kinder dürfen nicht eher kommen, als bis das Zeichen gegeben wird, daß der heilige Christ zugegen gewesen ist und die Geschenke, die er mitgebracht, hinterlassen hat. Dann geht die Tür auf, die Kleinen dürfen hinein, und bei dem herrlichen schimmernden Lichterglanze sehen sie die Dinge auf dem Baume hängen oder auf dem Tische herumgebreitet, die alle Vorstellungen ihrer Einbildungskraft weit übertreffen, die sie sich nicht anzurühren getrauen, und die sie endlich, wenn sie sie bekommen haben, den ganzen Abend in ihren Ärmchen herumtragen und mit sich in das Bett nehmen.

Wenn sie dann zuweilen in ihre Träume hinein die Glockentöne der Mitternacht hören, durch welche die Großen in die Kirche zur Andacht gerufen werden, dann mag es ihnen sein, als zögen jetzt die Englein durch den Himmel, oder als kehre der heilige Christ nach Hause, welcher nunmehr bei allen Kindern gewesen ist und jedem von ihnen ein herrliches Geschenk hinterbracht hat.

Wenn dann der folgende Tag, der Christtag, kömmt, so ist er ihnen so feierlich, wenn sie frühmorgens mit ihren schönsten Kleidern angetan in der warmen Stube stehen, wenn der Vater und die Mutter sich zum Kirchgang schmücken, wenn zu Mittage ein feierliches Mahl ist, ein besseres als in jedem Tage des ganzen Jahres, und wenn nachmittags oder gegen den Abend hin Freunde und Bekannte kommen, auf den Stühlen und Bänken herumsitzen, miteinander reden und behaglich durch die Fenster in die Wintergegend hinausschauen können, wo entweder die langsamen Flocken niederfallen, oder ein trübender Nebel um die Berge steht, oder die blutrote kalte Sonne hinabsinkt. An verschiedenen Stellen der Stube, entweder auf einem Stühlchen oder auf der Bank oder auf dem Fensterbrettchen liegen die zaubrischen, nun aber schon bekannteren und vertrauteren Geschenke von gestern abend herum.

aus „Bergkristall“ von Adalbert Stifter

Heilige Nacht

Heilige Nacht.Es ist die Nacht der großen Verwandlung.

Weihnachten – Ereignis der Verwandlung.Es verwandelt sich die Finsternis in die Nacht.

Finsternis ist ohne Hoffnung, aussichtslos, ziellos, ausweglos. Finsternis ist voller Verzweiflung, eine Wand, nichts, das Nichts, ohne Aussage, ohne Wort. Nacht aber ist der große Schoß, der in sich das Licht enthält. In der Nacht rauschen Geheimnisse auf. Nacht: das ist das, was Aussicht, Weg, Zukunft, Ewigkeit in sich birgt und weiß. Nacht: das ist lichtschwanger, ewigkeitsschwanger; Nacht jenseits des Tages, das Eigentliche bergend, das Wort bergend, das eine, Notwendige, das gesprochen wird, vom Vater gesagt wird. Da der Vater Sich ausspricht – und was Er ausspricht, ist Er selber, das Wort, das Er zeugt und das in die Welt hineinkommt, vom Vater gesprochen, und aufleuchtet als Kind.

Das nächtige Schweigen, Mariens Schoß, bringt hervor das Licht. Und siehe da: Das ewige Licht, der allmächtige Schöpfer aller Dinge, Gott, ist ein Kind, ein kleines, wimmerndes, staunendes Kind. Ein Kind, das mit weitgeöffneten Armen das ewige Licht weiß, in das es von Ewigkeit schaut, in den ursprungslosen Ursprung, in den Vater. Es ist das staunende Kind, Eigentümer des Staunens, dessen, was den Menschen zum Menschen macht, weil es den Menschen vergöttlicht und zu ungeahnten Höhen hebt. Denn der staunend Ehrfürchtige, der vom Licht Ergriffenen und vom Licht Befallene wird eben dadurch zum Licht emporgehoben, denn das lichtschauende Auge ist selber lichthaft. Und der Wahrnehmende wird auf die Höhe dessen gehoben, was er wahrnimmt. Und der Erkennende ist auf der Höhe dessen, was er erkennt. Und dieses Menschenkind, das Gott ist, ist zum Vater erhoben, weil es den Vater schaut in Seinem menschlichen Geiste.

Denn es sind zwei Ebenen des Bewußtseins in diesem kindgewordenen Gott. Als Mensch entwickelt sich Sein Geist wie bei jedem anderen Menschen auch. Er nimmt zu an Alter, Weisheit und Gnade im Auge Gottes und im Auge der Menschen. Er lernt, Er empfängt, Er gewinnt, er wächst. Zugleich aber ist in Seinem Geiste schon die Vollendung. Im Mutterschoße und in der Krippe liegend, schaut dieses Kind, wie eben gesagt, voll Ehrfurcht und Wonne den Vater und zugleich ein anderes Staunen – nicht nur das staunende Schauen ins Licht, sondern das staunende Schauen in die Finsternis. Gott macht Sich die Finsternis zu eigen. Gott kommt in eine unbehagliche Welt, ins unbehagliche Dunkel, in die Gottesferne, ins Nichts, in die Ausweglosigkeit und Aussichtslosigkeit, in die Verzweiflung, in die Erniedrigung, in die Schmach.

Alles, was den Menschen kennzeichnet nach seiner schrecklichen Fehlentscheidung, nach seiner Verweigerung, all dies nimmt Gott an. Dieses Kind, in der Krippe tritt es an den langen Marsch durch die Finsternis. Und Es sieht diesen langen Marsch durch alle Stationen irdischer Finsternis und irdischen Elendes voraus. Da Gott die Finsternis, die Verzweiflung, die Schande, die Erniedrigung Sich zu eigen macht, wird die Finsternis göttlich. Die Gottesferne, das Nichts, das Erleiden des Nichts wird göttlich für den, der „JA“ sagt, also guten Willens ist. Es wird alles verwandelt, es wird alles anders. Die Finsternis wird Nacht. Die Aussichtslosigkeit wird voll Verheißung und Hoffnung. Und was im Zeichen der Trennung von Gott stand, die Erfahrung der Gottesferne, die Trostlosigkeit, die Einsamkeit, das Verlachtwerden, Verhöhntwerden, Verkanntwerden, Verleumdetwerden. Alles, was der Mensch durch die Jahrtausende seiner entsetzlichen Irrfahrt hindurch erleiden mußte, jedes Einzelnen Elend: das alles nimmt Gott an und es wird darum verwandelt.

Es war ein Zeichen der Gottesverbannung, es war ein Zeichen des Ausgestoßenseins, es war ein Zeichen der Strafe. Die Strafe besteht darin, daß Gott den freien Entschluß des Menschen annimmt und ernst nimmt – das ist seine Strafe –, daß Gott den Menschen seinem selbstgewählten Geschick überläßt – „Sieh du zu!“. Das alles, was im Zeichen dieser Entfernung von Gott, dieses Draußenseins, dieses Nichts gestanden hat, eben Leiden und Krankheit und Not und Hunger und Qual, das Erleidenmüssen unsäglicher Einsamkeit im Verlust nahestehender Menschen, harte Arbeit, gepeitscht, getreten werden, das Schicksal der Sklaven, das alles wird für den, der nun „JA“ sagt zu dem ganz nahegewordenen Gott, zum Zeichen des Drinnenseins, zum Zeichen des Angenommenseins.

Leiden heißt jetzt nicht mehr „Gott straft mich“, sondern: „Ich bin drinnen! Ich habe göttliche Macht und Chance, göttliche Macht auszustrahlen.“ Das Leiden hört nicht auf Leiden zu sein, aber da Gott das Leiden Sich zu eigen macht und vergöttlicht, leiden wir nicht mehr unter unserm Leiden und sehen darin nichts Negatives mehr, sondern Erhöhung, Bestätigung.

Der Mensch wird durch sein Leiden, das ihn mit Gott eins macht, gültig, mächtig, gewichtig, geheimer Herrscher. Die Präsidenten, die Ministerpräsidenten und Kanzler, die Könige und Diktatoren scheinen den Ausschlag zu geben und zu herrschen. Aber im Grund herrscht der einsame, unbeachtete, leidende Mensch in seiner scheinbaren Aussichtslosigkeit, scheinbar vergessen, mit Undank bedacht, bedroht, betrogen, umgeben von allen Gemeinheiten, die Menschen sich ausdenken können. Mitten in all diesen fürchterlichen Schrecken und Grausen ist der geplagte Mensch, der „JA“ sagt zu diesem kindgewordenen Gott, Herrscher der Welt. Von ihm gehen die Kraftströme aus, die den Ausschlag geben. Dort, wo die einsamen ihr Leid mit dem gekreuzigten Gott vereinen, dort sind die Throne aufgerichtet, von denen aus die zwölf Stämme Israels gerichtet werden, von denen aus die große Überschau erfolgt, von denen aus die Welt gelenkt und gerettet wird.

Jegliches Leiden ist eine Erhebung, eine Thronerhebung, eine Bestätigung. Wer über seinem Leiden verzweifelt, hat nichts begriffen. Für den, der noch draußen steht, der dem Islam anhängt oder dem alten Judentum, das von Christus nichts weiß, für den ist das Leiden ein Zeichen, daß Gott ihm eine Absage erteilt, daß Gott ihn ins Außen stellt, in die Ecke, daß Gott ihn straft. Für den, der draußen steht, ist alles irdische Glück eine Wohltat seitens Gottes und alles irdische Leid etwas von Gott unverständlicherweise Zugefügtes. Wir aber sind nicht im Islam. Wir sind nicht im alten Judentum. Wir sind auf der Ebene der Erlösung. Für uns ist das Leiden ein Zeichen: Du bist drinnen. Du hast Anteil am Göttlichen, höchsten Anteil. – Freue dich und frohlocke, wenn dich die Menschen verleumden und schmähen und betrügen, wenn dich die Menschen verachten, wenn sie dir alles Fälschliche nachsagen, wenn du einsam bist, wenn du unverstanden, verkannt, falsch eingeschätzt wirst, wenn du leidest, wenn du geschlagen bist mit Krankheiten! Erhebe deine Augen, die Augen des Geistes! Erhebe dein Haupt und wisse: „Dies alles habe Ich, dein Gott, erlitten, mehr, als du je es erleiden könntest. Ich habe den Gang angetreten durch die Jahrtausende des Menschengeschlechtes und jedes einzelnen Menschen Leid mit wachen Sinnen durchlitten, jeden kleinsten Bruchteil einer Sekunde.“ Dein Leiden ist ein Samenkorn. Von außen ist das Samenkorn unansehnlich, häßlich, unbedeutend. Wie ein Nichts, wie etwas zum Wegwerfen sieht es aus. Es hat keine Gestalt und keine Schönheit, das Samenkorn. Aber drinnen – geheimnisvoll, verheißungsvoll – ist die Herrlichkeit der Rose und der Blüte und der Frucht. Wenn das Samenkorn in die Erde fällt und stirbt, dann kommt es zu sich.

Also: Sage „JA“! Mehr brauchst du nicht. Auch wenn du ungerecht und erst recht auch wenn du gerechterweise bestraft wirst, ins Gefängnis kommst, in harte Fron kommst, wenn du gerechterweise leidest, wenn verständlicherweise die Menschen dich deines Tuns wegen verachten, auch diese Leiden sind von Gott gesegnet. Und jenes Leiden, das die Sünde mit sich bringt, die Sünde, die mir – meine Sünde – täglich, abendlich vor Augen steht, die ganze Brüchigkeit meines Daseins, das ich daherstottere, die Fragwürdigkeit meiner Beweggründe, die Armseligkeit meines Tuns und Gebarens, meiner Gedanken und Worte: all dies zu erleiden ist Gott gekommen. Er erleidet die Sünde des Menschen. Und sofern du unter deiner Unvollkommenheit, deinem ständigen Fallen, deiner Rückfälligkeit leidest, insofern deine Sünde Kreuz ist, ist auch deine Sünde gesegnet. Und alles, was dir zugefügt werden könnte, alles wird dir zum besten gereichen – auch die Sünde –, da Gott für dich, für mich zur Sünde geworden ist. Er hat den Zustand der Sünde angenommen, ist uns in allem gleich geworden. Nur hat Er persönlich keine Sünde begangen – aber den Zustand der Sünde erlitten, so daß auch die Sünde für dich zum Segen wird. Alles, alles wird zum Segen.

Das Kind ist da und schaut in die grausige Zukunft Seines Erdendaseins. Jahrtausende sind in diese wenigen Jahrzehnte hineingenommen, Jahrtausende dieses grauenvollen Erdendaseins. Blut und Tränen und Schläge und Striemen und vor allem die Not der Seelen, die Verzweiflung der Selbstmörder: all dies zu durchschreiten, Sich mit allem zutiefst vertraut zu machen, begibt Sich Gott von der Krippe aus auf den Weg.

Und schon liegt wie ein gewaltiger Schatten die Endstation des Weges über der Krippe – das Kreuz. „Dieser ist gekommen zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel und zum Zeichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele“, sagt Simeon zu dem spiegelnden Bronnen, zu dem reinsten Spiegel, zu Maria, „wird ein Schwert durchbohren, auf daß die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“

Nun bist du unabhängig geworden. Dein Glück ist völlig unabhängig vom Schicksal. Leiden ist dein Glück, ist deine Macht und Kraft und Herrlichkeit. Wir kennen ja jenen Katalog aus dem Korintherbrief des hl. Paulus, wo er sich seiner Leiden und Schwachheiten rühmt, er, der geschlagene Apostel, der unter den fürchterlichsten Tritten und Anfechtungen und Gewalttaten Satans aufschreit zum Herrn: „Komm und nimm dies wenigstens von mir!“ – „Nein!“, hört er die Stimme. „Meine Gnade genügt dir. Denn die Kraft und die Herrlichkeit Gottes kommt in der Schwachheit“, in der Armseligkeit, im Leiden, in der Not „zur Vollendung.“

Das ist die Verwandlung dieser heiligen Nacht. Der allmächtige Gott wird Kind. Die Ohnmacht verwandelt sich in Allmacht, die Finsternis in heilige Lichtnacht, das Leiden in Macht und Herrlichkeit. Wenn es heißt „Groß ist euer Lohn im Himmel“, dann ist das jetzt schon erfüllt; denn der Himmel ist ja in dir. Du wirst des Himmels gewahr werden, wenn dieser Leib von dir abfällt. Aber auch dieser Leib, gerade dieser Leib, dieser geschlagene, behaftete, gequälte, gemarterte Leib, dieses Gehirn, eben die Ursache für alles seelische und geistige und körperliche Leiden, dieses Instrument göttlicher Machtausübung, da das Wort Fleisch geworden ist: wenn dieses Fleisch von dir abfällt, dann wirst du merken, wie nun alles Leiden in Herrlichkeit aufgegangen ist und was schon eh und je in dir war, nur verborgen.

Denn der Himmel ist in dir. Suchst du ihn anderswo, du fehlst ihn für und für. In dir ist der dreifaltige Gott. In dir ist unaussprechliche Wonne. In dir sind die drei göttlichen Personen – Vater, Sohn, Heiliger Geist. Sie besprechen Sich. Sie sind in ekstatischer Liebe entbrannt. Sie sind außer Sich und wohnen deshalb ineinander. Das alles ist in dir, in deinem Leibe und in deinem Geiste. Und der Sohn spricht zu Seinem Vater von Seinen entsetzlichen Erfahrungen durch die Jahrtausende Seines Erdenleides hindurch. Er erleidet Jahrtausende, weil jeder kleinste Bruchteil jeder Sekunde mit äußersten Nervenenden, hellwach von Ihm durchlitten wird. Er leidet viel intensiver, als je ein Mensch leiden könnte. Er ist darum der tief Vertraute deiner Leiden. Und wenn du Ihm deine Leiden klagst, dann hörst du: „Ich weiß doch alles. Ich weiß es doch. Sei getrost, Ich bin es. Fürchte dich nicht. Sei Herr deiner Leiden! Nimm sie in die Hand wie ein Zepter und beherrsche in Mir und durch Mich die Welt!“ Und darüber spricht der Sohn zum Vater und der Vater zum Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes. Und in der Liebe des Heiligen Geistes tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus. Und in der Mitte Ihrer liebenden Gespräche bist du. Denn du bist Gottes Leidenschaft. Dein Leiden ist Gottes Leidenschaft. Dein Weg ist Gottes Leidenschaft. Alles wird gut. Du bist also völlig unabhängig.

Dein Glück, sage ich, ist unabhängig vom Schicksal, auch unabhängig von allen Gegebenheiten, von allen äußeren Möglichkeiten und Zufälligkeiten. Denn es hängt ja von äußeren Umständen ab, ob du in der Lage bist, das heilige Opfer zu besuchen, dabei zu sein, wenn der Gottmensch Sich opfert. Es hängt ja von Umständen ab, über die du keine Gewalt hast, ob du teilnehmen kannst an der heiligen Messe, ob du das Bußsakrament empfangen und die Worte der Lossprechung hören kannst. Und wenn die Möglichkeit da ist, wird alles in dir danach brennen, die Sichtbarkeit Gottes zu erfahren, Seine Worte zu hören und im Fleische zu schauen das Heil, das in den heiligen Mysterien sich ereignet. Aber wenn dir diese Gelegenheit nicht gegeben ist, wenn du kein einziges Sakrament empfangen kannst, ist dann deine Erlösung dadurch zuschanden geworden? – Keineswegs!

Mir fällt ein junger Mann ein, der immer in Depressionen sich bewegte, weil er die heißersehnte Priesterweihe nicht empfangen konnte. Er geriet darüber in Traurigkeit und Depressionen. Und ich sagte ihm: „Vergiß nicht, daß Du erlöst bist. Mag kommen, was wolle. Du bist erlöst. Du bist in Ihm. Vergißt Du die Einwohnung des Hl. Geistes? Vergißt Du, daß Du drinnen bist im dreifaltigen Gott und Er in dir? Vergißt Du, daß eben dieses Dein Leiden und Schmachten und Verlangen Freude ist? Warum leidest Du unter Deinem Leiden? Warum freust Du dich nicht Deiner Leiden? Warum rühmst Du dich nicht Deiner Leiden? Denn du bist erlöst!“ – Das ist das Geschenk dieser Nacht. Der Unendliche wird klein, der Allmächtige ein wimmerndes Kind, abhängig von den Menschen, ein wissendes, ein allwissendes Kind, ein Kind mit allem Liebreiz, ein staunendes Kind. Es staunt hinein ins Licht und hinein in die Finsternis. Staunend tritt es Seinen Weg an. Und Er wird von den äußersten Enden aller Möglichkeiten menschlicher Verworfenheit, Verlorenheit und Not Seinen Weg antreten und dabei alle lieben, jeden lieben und Sich unter Verbrecher begeben und Freundschaft schließen mit dem verachtetsten und verkommensten Menschen: „Ich bin schon da. Ich bin bei dir.“

Er wird Seiner Liebe wegen den Haß der Welt auf Sich ziehen. Er wird denen, die sich ihrer Taten rühmen, die Maske vom Gesicht reißen. Er wird die beschämen und entlarven, die da meinen im Besitz der Gerechtigkeit zu sein und sicher der göttlichen Zusage und Belohnung. Er wird sie zurückweisen und ihnen deutlich machen, daß sie angewiesen sind auf das selbe Ausmaß des Erbarmens, dessen auch der letzte Verbrecher bedarf. Und das wird Ihm die Welt und das werden Ihm die „Gerechten“, die „neunundneunzig Gerechten“ nicht verzeihen, daß Er Sich mit den letzten Verbrechern in tiefster brüderlicher Liebe vereint: „Ich bin dein. Sei getrost, Ich bin““s. Fürchte dich nicht!“ Unabhängig bist du. Immer ist das Erbarmen in dir wirksam. Immer ist in dir der Hl. Geist, der die Vergebung der Sünden selber ist. Immer wird dein Ruf nach Erbarmen erfüllt. Dein „Ich will!“ ist die absolute Garantie der Erfüllung. Dein „JA“-Wort ist alles. Mehr bedarf““s nicht, keiner Vorleistung. Er ist da. Sag Ihm, „Ich bin auch da“. Das ist die heilige Nacht. Sie nimmt nicht das Leiden von dir. Manchmal hört man: „Mir ist Weihnachten verdorben. Ich habe keine Freude an Weihnachten.“ Als müsse Weihnachten auf einmal die Welt poliert sein und harmonisch und wohlgestaltet, als müsse auf einmal alles Leiden verschwinden, als müsse Weihnachten so wie eine einsame Oase in der Wüste dieser Erdenfinsternis aufleuchten. Das ist eine Illusion! Das ist nicht der Sinn von Weihnachten, sondern Weihnachten birgt mit allen Finsternissen und mit allen Leiden, die es nicht nimmt, sondern vergöttlicht, die es nicht auslöscht, sondern bestätigt, Weihnachten bedeutet Heil für dein Leiden!

Weihnachten nimmt dein Leiden nicht von dir weg, aber Weihnachten krönt dein Leiden und gibt deinem Leiden das Zepter der Herrlichkeit.

Das ist das Wort, das aus der Krippe dir entgegenleuchtet, aus der Verlorenheit, aus der Verlassenheit, unerkannt von den Mächtigen der Zeit, in einer Randprovinz.

Jeder Prokurator, der dorthin versetzt ist, empfindet es geradezu als eine Strafversetzung. Wie eine Verbannung nach Sibirien mußte ein Pontius Pilatus seine Stelle als Landpfleger empfinden in diesem verlassenen, verachteten Landstrich und dort noch in diesem unbekannten Nest; und da noch draußen und da noch in jener Höhle, in jenem Stall, unbekannt, unbeachtet von der Welt, von da aus geht die Herrschaft, Seine Herrschaft. Warum Seine Herrschaft? – Deiner Herrschaft wegen. Sagst du „JA“? Du brauchst nur „JA“ zu sagen – allerdings ein nachdrückliches, ein leidenschaftliches, ein bedingungsloses, ein ungekürztes „JA“-Wort, ein „JA“-Wort, das sich selber nicht beschneidet mit der törichten Ausrede, kein Fanatiker sein zu wollen, ein „JA“-Wort, in das du dein ganzes Dasein hineinlegst, bedingungslos, mit einer flammenden Unbedingtheit, diese „JA“-Wort, das dich mit Haut und Haaren festlegt, das deine Freiheit in die unwiderrufliche Notwendigkeit hineinzieht. Dieses „JA“-Wort, das dich zum Herrn macht der Welt, dieses „JA“-Wort läßt dich mit diesem verachteten, armen, unbeachteten Kinde, von dem nur die einfachsten Menschen, arme, unbeachtete Hirten, erfahren, solidarisch, identisch werden. In Ihm, durch Ihn und mit Ihm wirst du herrschen, herrschst du jetzt schon. Jetzt, in dieser Sekunde, ereignet es sich für dich, daß du kraft deiner Leiden zur Herrscherin und zum Herrscher wirst.

Das ist die Botschaft, die heilige, beseligende Botschaft dieser Nacht. Darum will der Herr in dieser Nacht frohe Gesichter sehen, die froh sind, weil sie leiden, und nicht wie die, die draußen stehen, die Heiden, die vom Wahn und der Finsternis des Islam Umfangenen, traurig sind, weil sie leiden.

Beim Christen hat sich alles ins Umgekehrte verwandelt. Und dies habt zum Zeichen: das Kind in der Krippe.

Pfarrer Hans Milch 1984

Der Christbaum

Was sagt uns der Christbaum?

So richtig Christbaum kann der Christbaum nur dann sein, wenn seine Kerzen zum ersten Mal in der Heiligen
Nacht entzündet werden.

Die ‚Leuchtbäume‘, die schon im November und während des Advents brennen, sind nur billiger Abklatsch, Rahmen ohne Bild.

Würde man sie fragen: „Warum leuchtet ihr?“, dann müssten sie ganz verschämt sagen: „Das wissen wir selber nicht so genau. Es muss mit der Reklame zu tun haben.“

Würde man aber einen richtigen Christbaum fragen: „Warum leuchtest du?“, dann würde er voll Freude antworten:

„Ich leuchte, weil in dieser Nacht Jesus Christus geboren ist. So hell, wie ich eure Stuben erleuchte, so hell ist euer Herz, wenn Jesus in euch ist.“

Und eine dringende Bitte hätte der Christbaum: „Werft mich nicht zum Neujahrstag schon wieder hinaus! Lasst mich die ganze Weihnachtszeit hindurch leuchten! Versammelt euch immer wieder bei mir und an der Krippe! Zündet meine Kerzen an und freut euch, dass Jesus euch erlöst!“

Noch etwas hat der Christbaum zu sagen: „Meine Farbe ist grün. Während im Winter die übrige Natur ruht, kündet mein Grün vom kommenden Frühling. Es ist die Farbe der Hoffnung. Denkt daran, dass ihr nicht für diese Welt geschaffen seid! Mit dem Tod ist nicht alles aus! Jesus Christus ruft euch in sein ewiges Reich. In ihm habt ihr ewiges Leben!“

Die eigentliche ‚Weihnachtszeit‘ endet mit dem Fest ‚ Taufe des Herrn‘. Danach klingt die ‚weihnachtliche Zeit‘ langsam aus bis zum 2. Februar, dem Fest ‚Mariä Lichtmess‘.

Aus ‘Ein Geschenk des Himmels’,
von Pater Martin Ramm FSSP und Michael & Dorothea Hageböck
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Die Weihnachtskrippe

Was bedeutet die Weihnachtskrippe?

Die Idee, eine Weihnachtskrippe zu bauen, hatte zum ersten Mal der heilige Franziskus von Assisi im Jahr 1223.

Dabei sprach er: „Ich möchte das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar wie möglich mit leiblichen Augen
schauen.“

Die Krippe ist nicht nur Dekoration. Die Krippe will ein Ort zum Stillwerden und Beten sein. Wenn wir auf das Christkind schauen, dann denken wir daran, dass Gott Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria, dass er uns sein Evangelium verkündet hat, dass er für uns am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden ist.

Wenn wir ihn fragen: „Wer bist Du?“, dann wird er antworten: „Ich bin Jesus, dein Gott!“ Und wenn wir ihn
fragen: „Wozu bist Du gekommen und warum machst Du Dich so klein?“, dann wird er antworten: „Ich bin auf die Welt gekommen, weil ich dich liebe und weil ich will, dass du einmal zu mir in den Himmel kommst. Und so klein habe ich mich gemacht, damit du dich vor mir nicht fürchtest, sondern auch mich aus deinem ganzen Herzen lieb hast. “

Aus ‘Ein Geschenk des Himmels’,
von Pater Martin Ramm FSSP und Michael & Dorothea Hageböck
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Das Stroh in der Krippe

Was sagt uns das Stroh in der Krippe?

Die Wohnung unseres Herzens sollen wir nicht nur reinigen, sondern auch schmücken. Wie durch die Beichte das Herz gereinigt wird, so wird es durch gute Taten geschmückt.

In manchen Familien gibt es im Advent einen schönen Brauch: Sooft ein Kind ein gutes Werk tut, darf es einen Strohhalm ziehen. Diese Strohhalme werden von Tag zu Tag immer mehr. Und wenn dann Weihnachten ist, legt man das gesammelte Stroh in die Krippe, um dem Christkind darauf ein weiches Lager zu bereiten. Wenn die Strohhalme reden könnten, dann würden sie alle sagen: „Jesus, ich hab Dich lieb!“

Aus ‘Ein Geschenk des Himmels’,
von Pater Martin Ramm FSSP und Michael & Dorothea Hageböck
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Weihnachtsgeschenke

Was sagen uns die Geschenke?

Niemand wird bestreiten, dass es gut und richtig ist, an Weihnachten einander zu beschenken. Aber das muss man lernen: Nicht nur der materielle Wert macht ein Geschenk kostbar, sondern etwas anderes.

Wenn ich ein Geschenk bekomme, durch das mir jemand sagt: „Ich mag dich! Du bist mir wertvoll! Ich will dir eine Freude machen!“, dann kann selbst ein ganz kleines Geschenk mich viel glücklicher machen als ein ganzer Berg von Gold.

Das größte und kostbarste Geschenk, das es je auf Erden gab, ist Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist. Wer Jesus lieb hat, der weiß, dass es nichts Besseres und Wertvolleres gibt, als Jesus zu kennen, ihn zu lieben und für ihn zu leben.

Und warum gibt es Weihnachtsgeschenke? Ist es nicht so: Wenn man selber glücklich ist, möchte man auch andere glücklich machen.So wächst das Glück und wird immer größer.

Das möchten die Weihnachtsgeschenke sagen: „Seid froh, denn Jesus liebt euch. Er ist für euch geboren, um euch von euren Sünden zu erlösen. Seid gut zueinander und habt einander lieb! Wenn ihr gestritten habt, dann bittet einander um Verzeihung! Versöhnt euch und seid froh, dass ihr einander habt!“ Wenn man das gut versteht (und tut), wird Weihnachten tatsächlich zum ‚Fest der Liebe‘!

Aus ‘Ein Geschenk des Himmels’,
von Pater Martin Ramm FSSP und Michael & Dorothea Hageböck
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Rahmen oder Bild

Zu einem schönen Bild gehört ein schöner Rahmen, damit das Bild um so besser zur Geltung kommt. Was aber, wenn man dem Rahmen so viel Aufmerksamkeit schenkt, dass man das Bild gar nicht mehr beachtet und es schließlich sogar ganz vergisst und verliert? Wäre das nicht traurig?

Ist das Weihnachtsfest Rahmen, oder ist es Bild?

Worauf es im Advent ankommt, ist, dass die Liebe Gottes sichtbar in die Welt gekommen ist und als Mensch geboren wurde. Die Geburt Jesu Christi ist das bedeutsamste Ereignis der Weltgeschichte. Leider haben dies viele Menschen vergessen.

Ein Advent und ein Weihnachtfest, bei dem nicht Jesus wirklich im Mittelpunkt steht, ist wie ein Rahmen ohne Bild, traurig und leer. Ist es nicht genau das, was viele Menschen heute empfinden? Advent als sinnleerer Einkaufsmarathon, gespickt mit Kalorienbomben und Glitzerkitsch: – Und das ist da nicht ganz tief in uns eine Sehnsucht nach mehr?

Was bedeutet Advent?

Das Wort ‚Advent’ bedeutet ‚Ankunft’. Mit dem ersten Adventssonntag (und nicht schon mitten im Oktober) beginnt diese wunderbare Zeit.

Der Advent will helfen, dass wir uns gut vorbereiten auf Jesus.

Keine Zeit im Jahr ist so dunkel wie der Advent. Er ist die Zeit der längsten Nächte und der kürzesten Tage. Deshalb ist der Advent die Zeit der Sehnsucht nach dem Licht.

Zu Weihnachten ist die Sonnenwende, dann werden die Tage wieder länger. Mit dem Weihnachtsfest besiegt das Licht die Finsternis.

Jesus ist das wahre Licht der Welt!

Aus ‚Ein Geschenk des Himmels‘,
von Pater Martin Ramm FSSP und Michael & Dorothea Hageböck
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