Wer ist das Lamm, das die Schuld der Welt hinwegträgt?

Wer ist das Lamm, das die „Schuld der Welt“ hinwegträgt?

Johannes der Täufer spricht dieses gewaltige Wort „Seht das Lamm“, als er Jesus auf sich zukommen sieht und er scheint selbst überwältigt zu sein, über das, was er in diesem Moment erkennt. Es ist kein Wort, das er sich lange vorher zurechtgelegt oder zusammengereimt hat, denn er betont: „Auch ich kannte ihn nicht!“, obwohl er doch mit ihm verwandt und mit ihm vertraut ist. Nun erst erkennt er ihn in der Tiefe als den, der die Schuld der Welt hinweg trägt und weist mit diesem Wort zurück, ganz an den Anfang der Schrift, dorthin, wo Abraham seinem Sohn auf die bange Frage, wo denn das Opfertier sei, antwortet, Gott selbst werde sich das Lamm aussuchen. Und das Wort weist voraus auf das Buch der Offenbarung, ganz am Ende der Schrift, wo die Leuchte der neuen Stadt das Lamm ist. Der Ruf des Täufers wird zur Einladung an uns, diesem Lamm unsere Schuld zu übergeben und seinen Spuren zu folgen.

Mediandatei Lamm_Gottes_mixdown.mp3 (audio/mp3, 23.7 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Unendliche Begegnung und tiefste Vereinigung

Unendliche Begegnung und tiefste Vereinigung

Es gibt eine Besonderheit im Evangelium von Matthäus, wo der Evangelist den Vater nicht nur personal sprechen lässt, wenn die Stimme vom Himmel her sagt: „Du bist mein geliebter Sohn!“, vielmehr proklamiert er hier feierlich: „Dieser ist mein geliebter Sohn!“ und sagt es damit der ganzen Welt. Aus der Schar der Sünder heraus, die bei Johannes sind, um sich taufen zu lassen, schaut das Antlitz des Sohnes den Vater an. Im Sohn kehrt die ganze Menschheit zum Vater zurück. Es ist unendliche Begegnung und tiefste Vereinigung, wenn in Jesus Christus der Mensch dem Vater wieder sein Gesicht zuwendet und sein Versteck aufgibt.
Der Vater könnte auch jubeln: Das endlich ist der Mensch, wie ich ihn gedacht habe, es ist Licht von meinem Licht, Leben von meinem Leben, es ist der heimgekehrte Mensch.

mediendatei_Taufe_Jesu_mixdown.mp3 (audio/mp3, 17.8 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Licht des Himmels umkleidet dich…

Licht des Himmels umkleidet dich…

Die Worte des Engels an Maria sind die gleichen göttlichen Imperative, die auch über dieser Heiligen Nacht von Weihnachten stehen: „Freue dich!“ und „Fürchte dich nicht!“. Es sind die Worte, die auch die Hirten von den Engeln hören, und die in dieser Nacht Wirklichkeit werden. Sie werden in die Nacht hinausgerufen und sie laden die Hirten in die Freude des Himmels hinein ein: „Fürchtet euch nicht! Ich verkünde Euch eine große Freude!“
Die Hirten wurden erfasst vom Licht des Himmels, das sie umstrahlte, oder, wie es besser heißt, sie umkleidete. Und dieses Licht, das den Menschen in eine göttliche Barmherzigkeit und in eine göttliche Geborgenheit einhüllt, hat die Kraft, unsere ganze Vergangenheit zu erleuchten und uns zuinnerst zu verwandeln. Es ist das Licht, von dem es in der Osternacht dann heißt: „Licht des großen Königs umleuchtet dich!“

Medien-Datei Christmette (audio/mp3, 22.1 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Die Frage des Täufers ist unsere Frage

Die Frage des Täufers ist unsere Frage

JohannesDer 3. Sonntag im Advent ist besonders hervorgehoben durch den mehrmaligen Aufruf zur Freude. „Freuet euch!“, heißt es gleich am Eingang der Liturgie. Aber Freude kann man nicht befehlen und nicht machen, sie ist immer Geschenk.
Umso seltsamer mutet es an, dass an diesem Tag der Freude die Rede von Johannes dem Täufer ist, der im dunkelsten Kerker sitzt, am Ende seines Lebens und die Frage aller Fragen stellt: Ist das, wofür ich mein Leben eingesetzt habe, es wert gewesen? Er lässt an Jesus die Frage stellen: „Bist du es, der kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“. Mit anderen Worten heißt das doch, dass sich beim Vorläufer, der Jesus von Kindesbeinen an kennt, Zweifel und Unsicherheit breit gemacht haben.
Es ist unsere Frage, die der Täufer hier stellt: Ist es richtig, was ich bisher von dir, Jesus, gedacht habe, oder bist du ein anderer?

Medien-Datei  (audio/mp3, 19.5 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Er macht keinem etwas vor!

Er macht keinem etwas vor!

Es sind ein wenig harte Worte, die wir uns gerne ersparen würden, und es ist eine wenig zimperliche Art und Weise, die uns hier zugemutet wird! Johannes der Täufer tritt hier auf wie ein guter Arzt, der die Wahrheit einer schweren Krankheit nicht verschweigt. Gleichzeitig wird seine Gerichtsrede zur Hoffnungsbotschaft, weil nicht nur das Böse in der Welt ausgesondert, sondern auch das Böse in uns selbst von uns abgetrennt wird, wenn wir umkehren. Er benennt die Symptome, aber die Heilung schenkt der, der nach ihm kommt und der mit Feuer und mit Heiligem Geist tauft.

Medien-Datei (audio/mp3, 22.3 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Seid wachsam!

„Seid wachsam!“

Erwartung – Ausschau halten, auch und mitten in der Bedrängnis

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Man könnte den Advent als die Jahresexerzitien der Christen bezeichnen. Exerzitien sind eine Einübungszeit, Einübung in die Schärfung der Sinne, die, trotz der Überflutung durch verfrühte Weihnachtsdüfte und Weihnachtsklänge, ausgerichtet sind, um Ausschau halten zu lernen, um in Erwartung zu sein, damit Er eintreten und ankommen kann, mitten in unserer alltäglichen Bedrängnis, inmitten von allem, „was drängt“.
Wenn wir es in diesen Zeiten des Lebens nicht einüben, in diesem „kleinen  Advent“ nicht lernen, auf den Herrn hin Ausschau zu halten, wie wollen wir es dann können, wenn die großen Bedrängnisse kommen, von denen auch im Evangelium vom heutigen ersten Advent die Rede ist.

Medien-Datei  (audio/mp3, 21.6 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

Ewiges Leben, das heute beginnt…

Ewiges Leben, das heute beginnt…

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Die Antwort Jesu an die Sadduzäer lässt aufleuchten, was für ihn Auferstehung bedeutet. Es ist die lebendige Beziehung zum lebendigen Gott, der „kein Gott der Toten“ ist, wie es das Evangelium betont, sondern ein Gott der Lebenden. Weil er jeden Menschen in die lebendige Beziehung zu sich ruft und Er selbst schon in die bleibende Beziehung zu uns getreten ist, so ist unsere Beziehung zu ihm lebendig, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht und wir in dieser Beziehung leben. Auferstandensein heißt, in der lebendigen Beziehung zu Gott zu stehen – auch jetzt in diesem Leben schon und in dieser Beziehung zu bleiben.
P. Markus Johannes Straubhaar legt den Text des Evangeliums auf und macht deutlich, dass Auferstehung und ewiges Leben keine Kategorien des Jenseits sind, sondern hier in diesem Leben beginnen.

Medien-Datei (audio/mp3, 18.8 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)

 

Der Blick, der erwählt und ruft und alles verändert

Der Blick, der erwählt und ruft und alles verändert

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Im Lukasevangelium ist oft vom „hinauf“ und „herab“ die Rede – hier, in dieser kleinen Erzählung, ist es Zachäus, der auf einen Baum hinaufsteigt, weil er den Wunsch hat, Jesus einmal zu sehen, und es ist Jesus, der ihn von seinem Baum herunterruft. Zuvor aber hat Jesus zu ihm nach oben geschaut.
Es ist eine Menschheitsparabel, die uns vor Augen führt, wie wir Gott begegnen, und in der wir lernen, den Menschen zu begegnen, mit einem Blick der Ehrfurcht und Liebe. Der erwählende Blick auf Zachäus kehrt alle Vorzeichen seines bisherigen Lebens um und es verändert sich alles.

 

Medien-Datei (audio/mp3, 20.8 MB)

aus Predigtreihe aus Maria Linden/ Ottersweier (Baden)

(Text: Veronika)